Zughundesport

Es muss nicht immer Schlitten sein

Zughundesport

Bei Zughundesport denkt man automatisch an Hundeschlitten. Die unbekanntere Freizeitvariante eignet sich für einzelne Hunde fast aller Rassen.

Zughundesport ist nicht neu

Die „Internetgeneration“ verbindet Zughundesport in erster Linie mit Schlittenhundesport und hält die Freizeitvarianten mit Bollerwagen und Co. für eine neue Hundesportart. Tatsächlich ist der Zughundesport in dieser Art aber nur eine Renaissance. In den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehörten Hundegespanne zum normalen Straßenbild. Die Post stellte mit ihnen Briefe zu, Bauern und Krämer fuhren ihre Ware damit zum Markt usw. Der Hund vor dem Karren war das Pferd des kleinen Mannes. Heute stehen bei dieser Hundesportart der Freizeitspaß und die Beschäftigung des Hundes im Vordergrund. Genau genommen ist der Zughundesport der Oberbegriff für verschiedene Hundesportarten wie Canicross, Bikejöring etc.

Varianten des Zughundesports

1.) Dog-Sled

SchlittenhundeDie bekannteste Form des Zughundesports, der Schlittenhundesport, ist eher etwas für Profis, die über eine ganze Meute an Schlittenhunden verfügen, die in der Lage sind, die schweren und unhandlichen Schlitten zu ziehen. Für den Freizeitsport gibt es nur wenige Hundeschlitten (Dog-Sleds), die für einen einzelnen Hund geeignet sind. Von Kinderschlitten ist dringend abzuraten, da diese über keine Bremsvorrichtung verfügen und auch die Bremsvorrichtung bei Kinderbobs ist nicht ausreichend, um Unfallrisiken zu vermeiden. Dog-Sleds, die beispielsweise mit Bremsmatten gebremst werden, eignen sich zwar für Einzelhunde, doch sollten diese über einen guten Grundgehorsam verfügen und die Richtungskommandos beherrschen, mit denen der Dog-Sled gelenkt wird.

2.) Canicross

CanicrossAuch die weiteren Zughundesportarten unterscheiden sich durch das jeweilige Gefährt. Angefangen ohne Gefährt beim Canicross, bis zum Dog-Cart. Beim Canicross zieht der Hund nicht alleine, sondern lediglich unterstützend. Diese Variante des Zughundesports wird daher auch gerne zum Laufhundesport gezählt und eignet sich gut für den Einstieg in den Zughundesport, um beispielsweise die Richtungskommandos zu erlernen.

3.) Bikejöring

BikejöringDas Bikejöring wird ebenfalls zum Laufhundesport gezählt. Auch hier kann der Hundeführer mitarbeiten, indem er in die Pedale tritt. Da für das Bikejöring jedes handelsübliche Fahrrad genutzt werden kann, ist es eine der preiswertesten Varianten des Zughundesports. Dennoch sollte diese Sportart nur betrieben werden, wenn der Mensch sicher im Sattel sitzt. Der relativ hoch liegende Schwerpunkt beim Fahrrad birgt ein wesentlich größeres Unfallrisiko, als beispielsweise der Dog-Scooter. Eine gewisse Zughundesporterfahrung beim Hund ist vorteilhaft, aber nicht zwingend notwendig.

4.) Dog-Scooter

Dog-Scooter Der Dog-Scooter ist ein stabiler Tretroller mit einem sehr tief liegenden Schwerpunkt. Durch sein geringes Eigengewicht kann er auch von leichteren Hunden, wie beispielsweise Border Collies gezogen werden. Eine Unterstützung des Hundes durch Abtreten ist möglich, sollte aber unterlassen werden, da eine gleichmäßige Unterstützung wie beim Bikejöring nicht möglich ist. Durch das in Intervallen stattfindende Abtreten entspannt und spannt sich die Zugleine, was für den Hund nicht nur irritierend, sondern auch unangenehm ist. Mit dem Dog-Scooter werden relativ hohe Geschwindigkeiten erreicht. Ein sicherer und stabiler Geradeauslauf und gute Lenkbarkeit sind beim Dog-Scooter daher genauso wichtig, wie effektive Bremsen. Als Vorderrad hat sich eine Größe von 26 Zoll als vorteilhaft erwiesen. Bei den Bremsen bieten hydraulische Scheibenbremssysteme das Optimum an Sicherheit.

5.) Dog-Sulky

Das Dog-Sulky ist eine zweirädrige „Kutsche“, die über eine Zugstange gezogen wird. Damit die Zugstange dem Hund nicht auf den Rücken drückt, sind das Dog-Sulky und die Zugstange so konstruiert, dass sich die Zugstange leicht anhebt, sobald der Fahrer Platz nimmt. Es wird daher auch von Hunden gezogen, die nicht im Zugbügel laufen wollen. Das leichte und wendige Dog-Sulky verfügt natürlich über Bremsen und wird meist durch Richtungskommandos gelenkt. Es gibt aber auch Dog-Sulkys (z. B. das Springtail Dog Sulky), die mit Zügeln gelenkt werden. Keine Angst, der Hund trägt weder Trense, noch Kandare. Die Zügel werden im Zuggeschirr eingehängt.

6.) Dog-TrikeDog Trike-Zughundesport

Die Vorteile des dreirädrigen, gebremsten Rollers gegenüber dem Dog-Scooter liegen in der Kippsicherheit. Nachteilig ist der große Platzbedarf in der Garage. Auch der Transport im Auto gestaltet sich etwas schwierig, da ein normaler Fahrradträger nicht geeignet ist. Gezogen wird das Dog-Trike in der Regel mit einer Zugleine. Modelle mit Zugbügel sind aber auch erhältlich.

7.) Dog-Cart

Sacco-dog-Cart -ZughundesportIn den Anfängen des Zughundesports war das Dog-Cart, oder auch Sacco-Dog-Cart, das Gefährt schlechthin. Heute ist es verhältnismäßig selten anzutreffen. Der Fahrer des Dog-Carts sitzt, während eine zweite Person hinter ihm stehend mitfahren kann. Die Vorderachse wird mit den Händen und Füßen gelenkt. Da das Gefährt über keine Lenkungsdämpfer verfügt, wird es über Zugbügel gezogen. Mit einer Person besetzt, kann es von einem kräftigen Hund gezogen werden. Bei Mitfahrt einer zweiten Person sollte stets zweispännig gefahren werden. Bremsen sind auch hier Standard. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht ab 150 kg ist auch eine Feststellbremse Vorschrift.

8.) BollerwagenZughundesport Bollerwagen

Der Bollerwagen eignet sich besonders gut für die schwereren und gemütlicheren Hunde, die weniger Lust auf das Rennen mit hohen Geschwindigkeiten haben. Gezogen wird der Bollerwagen entweder mit Einspännerschere und Brustblattgeschirr, oder Pulkastange und Pulka-Geschirr. Da es passende Brustblattgeschirre kaum von der Stange gibt, ist der Zugbügel in Verbindung mit dem Pulka-Geschirr die gängigste Variante. Je nach Größe und Beladung des Bollerwagens kann auch mit einer Zweispännerdeichsel zweispännig gefahren werden. Über den Zugbügel kann der Hund gut geführt und gelenkt werden. Bergab kann der Hundeführer unterstützend mitbremsen, bzw. bergauf mit ziehen. Aus Sicherheitsgründen sollte der Hund zusätzlich mit einer Leine am Halsband gesichert werden, die während des Führens am Zugbügel locker durchhängt.

Schwerere Bollerwagen sind auch mit Feststellbremse und V-Bremse, wie man sie vom Fahrrad her kennt, erhältlich.

Beliebte Zuggefährte - ZughundesportZubehör

Für den Zughundesport wird natürlich etwas mehr, als nur ein Hund und das entsprechende Gefährt benötigt. Dazu gehören neben dem Zuggeschirr natürlich die Zugleinen, bzw. Zugbügel, Ruckdämpfer, Bikeantennen und einiges mehr, was in den folgenden Absätzen kurz vorgestellt wird.

Zuggeschirr

Das wichtigste Zubehör ist das Zuggeschirr. Es ist entscheidend dafür, dass der Hund beim Ziehen nicht einseitig Zuggeschirr-Zughundesportbelastet wird. Ein perfekter Sitz ist ausschlaggebend dafür, dass das Zuggeschirr weder scheuert, noch den Hund in seiner Bewegung und Atmung einschränkt. Für den Zugbügel wird ein Pulka-Geschirr benötigt, um eine starre und lenkbare Verbindung zwischen dem Wagen und dem Hund herzustellen. Bei Verwendung von Zugleinen stehen u.a. X-Back-Geschirre, V-Back-Geschirre, Kurzgeschirre (Safety-Geschirr) zur Auswahl. Entscheidend für die Wahl des jeweiligen Zuggeschirrtyps ist der Körperbau des Hundes. Für den Dobermann wurde speziell das Niiva-Harness entworfen, da der schlanke Körper, das kurze Fell und der extrem tief liegende Brustkorb des Dobermanns nach einem speziellen Geschirr verlangen. Bei der Wahl des Zuggeschirrs sollten daher diverse Varianten anprobiert werden, um am Ende das Geschirr zu kaufen, das am besten sitzt.

Pulka -ZughundeschuleZugbügel und Zugleine

Ungebremste Bollerwagen werden mit einem Zugbügel gezogen. Über diesen Zugbügel zieht und bremst der Hund den Wagen. Zusätzlich sollte der Hund ein Halsband tragen, um eine Leine zur zusätzlichen Sicherung locker einhängen zu können.

Zugleinen haben in der Regel einen Ruckdampfer integriert. Ist dies nicht der Fall, sollte ein entsprechender Ruckdämpfer zwischen Zugleine und Fahrzeug bzw. Bauchgurt gesetzt werden.

BikeantenneBike-Antenne - Zughundesport

Um ein Überfahren der Zugleine zu vermeiden, ist am Fahrrad oder Dog-Scoter eine Bikeantenne, auch Abstandshalter genannt, anzubringen, welche die Zugleine über das Vorderrad führt. Die Bikeantenne dient also nicht dem guten Radioempfang, sondern der Sicherheit.

Neckleine

Neckleine- ZughundesportWer zweispännig fahren möchte, der verbindet die beiden Hunde an ihren Halsbändern mit einer sogenannten Neckleine. Sie zwingt die Hunde dazu, in dieselbe Richtung zu laufen und verhindert den Tiefflug des Hundeführers, wenn der eine Hund nach rechts, der andere nach links abbiegen möchte.

NavigationssystemNavi.- Fahrradsysystem

Kein Scherz, denn das Navi muss mit. Das hat nichts mit dem schlechten Orientierungssinn zu tun, sondern dient der Kontrolle über Tempo und Fahrtstrecke. Der Übergang zwischen Auslastung und Überforderung ist im Zughundesport fließend. Der Hund wird, wenn er den Sport erst einmal kennengelernt hat, soviel Spaß daran haben, dass er sich selbst überfordert. Gerade auf den ersten ein bis zwei Kilometern wird er ungestüm vorauseilen. Hier ist eine Tempokontrolle wichtig, um den Hund in seinem Übereifer zu bremsen. Anhalten wird er erst, wenn er völlig schachmatt ist, doch damit ist er bereits überfordert worden. Welches Tempo und welche Distanz optimal ist, variiert von Hund zu Hund. In der Regel bewegen sich die Werte (Abweichungen je nach Rasse und Verfassung des Hundes und des Zuggewichts) zwischen fünf und sieben Kilometern bei etwa 15-19 km/h. Im Rennsport werden natürlich deutlich höhere Geschwindigkeiten gefahren, doch ist hier Vorsicht geboten. Dabei geht es stark in Richtung Hochleistungssport mit allen Gefahren der Überbelastung von Gelenken, Herz-Kreislauf-System etc.

Geeignete Hunderassen

Für den Zughundesport eignen sich fast alle größeren Hunde, die Freude am Laufen haben. Besonders bei Hunden mit einem starken Jagdtrieb, die aus diesem Grund nicht ohne Leine laufen können, bietet diese Sportart eine ideale Möglichkeit der Auslastung. Voraussetzung ist, dass die Hunde ausgewachsen und gesund sind. Junghunde, die noch im Wachstum sind, können zwar mit gemäßigtem Canicross an den Zughundesport herangeführt werden und dabei die Richtungskommandos erlernen, mehr aber auch nicht.

Auswahl der Zughundesportart

Der Zughundesport stellt einen Sonderfall bei den Hundesportarten dar. Während bei anderen Hundesportarten der Hundehalter die Entscheidung trifft, wählt beim Zughundesport der Hund die Zughundesportart aus, die ihm am besten gefällt. Hierzu bieten gute Zughundesportschulen Einsteigerseminare an, bei denen der Hund nicht nur die passende Geschirrart bekommt, sondern auch vor alle möglichen Gefährte gespannt wird. Der erfahrene Trainer erkennt sofort, bei welcher Zughundesportart sich der Hund unwohl fühlt, welche ihm gefällt und bei welcher er mit voller Begeisterung dabei ist. Was hier auf den ersten Blick leicht erkennbar scheint, erfordert dennoch eine gehörige Portion Erfahrung. Der Grund liegt beispielsweise in dem Zugbügel, der anfangs fast jedem Hund unheimlich ist. Haben sich die Hunde jedoch erst einmal daran gewöhnt, sind sie mit Begeisterung dabei, den Bollerwagen oder ein Dog-Cart zu ziehen.