Staffordshire Mischling und sein Halter wegen Rassezugehörigkeit verurteilt

Staffordshire bedeutet schuldig und Untersuchungen blieben aus

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Staffordshire Mischling und sein Halter wegen Rassezugehörigkeit verurteilt

Ein Staffordshire Mischling soll einen Jungen gebissen haben und kam ins Tierheim. Der Halter raubte seinen Hund und machte Schlagzeilen.

Staffordshire Mischling und sein Halter wegen Rassezugehörigkeit verurteilt
© Pascal W.

Der Sachverhalt

„Besitzer raubt Hund aus Magdeburger Tierheim“ hieß es in der Schlagzeile von Volksstimme.de, doch der Artikel gab Rätsel auf. Der Hund habe einen Jungen gebissen und sei daraufhin vom Ordnungsamt als gefährlich eingestuft worden. Es wurde angeordnet, dass der Hund in ein Tierheim gebracht werden müsse. Als der Halter dies und auch die Herausgabe verweigerte, wurde der Hund mittels Durchsuchungsbeschluss vom Ordnungsamt beschlagnahmt und in das Magdeburger Tierheim gebracht. Die Polizei leistete dabei wohl Amtshilfe. Der Besitzer, der bei der Beschlagnahmung nicht anwesend war und dessen Wohnung von einem Schlüsseldienst geöffnet wurde, holte den Hund gewaltsam aus dem Tierheim wieder heraus und wurde kurze Zeit später von der Polizei gestellt.

Ein Staffordshire ist von Natur aus schuldig

Staffordshire bedeutet schuldig und Untersuchungen blieben aus
© Pascal W.

Die Zeitungsmeldungen sind in sich schlüssig und so leid es einem für den Halter des Staffordshire-Mischlings tut, aber er ist an der Miesere selber schuld. Stutzig machte uns erst die Pressemitteilung der Polizei, in der es hieß: „(…) da es in der Vergangenheit zu einem Beißvorfall mit dem Tier gekommen sein soll.“ Gekommen sein soll? Die Polizei müsste darüber als Erste informiert sein. Wir bohrten nach und stießen auf zahlreiche Ungereimtheiten. Als wir daraufhin das Ordnungsamt um eine Stellungnahme baten, wurde diese verweigert, was uns allerdings nicht weiter verwunderte. Bezeichnend war hierbei folgende Aussage: „Es bleibt den verwaltungsrechtlichen Instanzen (Widerspruchsbehörde, Verwaltungsgericht) vorbehalten, über die Rechtmäßigkeit der behördlichen Entscheidung zu befinden. Dies betrifft sowohl die Feststellung der Gefährlichkeit als auch die Entscheidung über die Haltungserlaubnis.

Herr W. hat dementsprechend Gelegenheit, hier alle Rechtsmittel auszuschöpfen.(Familienname abgekürzt).

Wir dürfen das vielleicht mal übersetzen: Wir haben eine Entscheidung getroffen. Entweder der Betroffene akzeptiert diese oder es sollen sich andere um den Fall kümmern. Wir haben den Fall vom Tisch, und ob unsere Entscheidung rechtmäßig war oder nicht, sollen gefälligst andere entscheiden.

Staffordshire bedeutet schuldig und Untersuchungen blieben aus
© Pascal W.

Zu viele Pannen

Bei der Einstufung des Hundes als gefährlicher Hund wurde nicht eindeutig festgestellt, ob die Vorwürfe den Tatsachen entsprechen. Aufgrund dieser vorschnellen und möglicherweise falschen Einstufung wurde ein Durchsuchungsbeschluss ausgestellt und durchgeführt der einer Gefahrenabwehr dienen sollte, obwohl möglicherweise gar keine Gefahr vorlag. Damit wurde gegen das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 13 GG) verstoßen. Im Anschluss an die Durchsuchung wurde der Hund (Eigentum von Pascal W.) beschlagnahmt. Im Falle die Einstufung seitens des Ordnungsamtes rechtswidrig war, so war auch die Beschlagnahmung des Hundes rechtswidrig und stellt den Straftatbestand des Diebstahls dar. Dies rechtfertigt zwar noch immer nicht die Tat des Halters, den Diebstahl mit einem Gegendiebstahl zu quittieren und dabei Unbeteiligte (Tierheimmitarbeiter) in die Sache mit hineinzuziehen, aber es rechtfertigt den Grund, das Verfahren einzustellen und auf den Stand des vermeintlichen Beißvorfalls zurückzusetzen und neu zu ermitteln. Immerhin scheinen auf allen Seiten nicht unerheblich Fehler gemacht worden zu sein.

Den ganzen Fall mit allen Hintergründen und Ungereimtheiten lesen Sie in unserer E-Paper-Ausgabe 1/2018 und sagen Sie uns dann Ihr Meinung.

7 Kommentare

  1. Ok der Halter hat mit seinem Freund einen blöden Fehler gemacht, aber das Ordnungsamt war auch nicht gerade sehr hilfreich bzw. hat sehr viele Fehler begangen. Für meine Begriffe sollte das ganze Verfahren auf Anfang gesetzt werden.

  2. Das riecht doch stark nach Amtsmissbrauch. Die Behörden wären vermutlich anders vorgegangen, hätte es sich nicht um einen Listie gehandelt. Diese Art der Diskriminierung von Amtsseite wäre nicht ungewöhnlich und passiert sicherlich nicht zum ersten Mal. Ich würde an des Halters Stelle sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen um meinen Hund zurück zu bekommen.

  3. Wichtige Fakten wurden hier unterschlagen.

    Im weiteren hat der Herr sehr wenig aus dieser Situation gelernt, was uns veranlasst weiterhin sehr genau hinzuschauen.

    Es gibt bei den Behörden ein Schwachpunkt bei dem sie ein Eigentor geschossen haben.

    Die Beschlagnahmung war rechtens, sämtliche Korrespondenz im Vorfeld wurden ignoriert.

    Wir hatten mit dem Herrn ein Gespräch und auch entsprechende Unterlagen liegen uns vor.

    Somit können wir uns eine fundierte Einschätzung erlauben.

  4. @ Dogs Guard: Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alle Fakten zusammengetragen, die wir erhalten konnten und auch diverse Korrespondenz liegt uns vor. Dass es IMMER irgendwelche zusätzlichen Fakten gibt, die einem nicht bekannt sind, ist unvermeidbar. Ich bin mir sicher, dass es auch noch mehr Fakten gibt, die weder uns NOCH IHNEN bekannt sind. Von „Unterschlagung“ von Fakten zu sprechen, ist eine Unverschämtheit. WIR hingegen haben in unserem ausführlichen Bericht in unserem E-Paper deshalb auch geschrieben „Was es wirklich mit dem Beißvorfall auf sich hatte, konnten wir nicht mit absoluter Sicherheit klären, doch sind wir der Wahrheit zumindest bedeutend nähergekommen, als die Presseberichte es uns weismachen wollen. Vielleicht haben wir mit unseren Recherchen sogar den Nagel auf den Kopf getroffen, was weitere Untersuchungen jedoch noch belegen müssen.“ Wenn SIE jedoch Fakten so gewissenhaft auswerten, wie Sie unseren Artikel gelesen haben, wage ich es zu bezweifeln, dass Sie sich fundierte Einschätzungen erlauben können.

  5. @ Ulamae Tscharke: Abgesehen von der Polizei hat in diesem Fall wohl niemand seinen Job gewissenhaft ausgeführt und der Halter hat daraufhin kopflos reagiert. Durch den Durchsuchungsbeschluss war die Polizei zur Amtshilfe verpflichtet, hat aber in der Pressemitteilung ihre Zweifel zum Ausdruck gebracht. Zumindest die Polizei hat offensichtlich ein Gewissen. Alle anderen Parteien, einschließlich der des Halters, haben nach unseren Erkenntnissen grobe Fehler gemacht. Das ganze Verfahren auf den Anfangsstand zurückzusetzen halten wir auch für die einzig faire und sinnvolle Lösung.

  6. Der Halter bekam eine Frist gesetzt, den Hund abzugeben. Alleine diese Frist besagt, dass keine Gefahr im Verzug ist. Drei Monate nach Ablauf der Frist den Hund per Durchsuchungsbeschluss im Rahmen der „Gefahrenabwehr“ aus der Wohnung zu holen, empfinde ich nicht nur als hochgradig unverhältnismäßig, sondern geradezu für wahnwitzig. Es liegt in der Natur der Hunde, dass sie die Wohnung gegen Eindringlinge verteidigen; ganz besonders dann, wenn der Halter nicht zu Hause ist. Hier wurde keine Gefahrenabwehr betrieben, sondern eine Gefahr heraufbeschworen. Dass es hierbei zu keiner gefährlichen Situation kam, bescheinigt, dass der Hund absolut friedlich ist, und die Einstufung als gefährlich falsch war. Die Festsetzung eines Zwangsgeldes wäre noch verhältnismäßig gewesen, aber was hier abgelaufen ist, spottet jeder Beschreibung.

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