Rottweiler bedeutet schuldig. Die Wahrheit ist unwichtig

Amtsveterinär ordnet Tötung unschuldigen Hundes an

Ordnete Amtstierarzt Tötung eines unschuldigen Hundes an?

Es ist eine unglaubliche Story, die uns zugetragen wurde. Ein Amtstierarzt soll die Tötung eines unschuldigen Hundes angeregt haben. Bisher haben wir Amtsveterinäre als kompetente, sachliche und gewissenhafte Menschen kennengelernt, und konnten nicht glauben, was in Antendorf geschehen sein soll. Doch sollte die Geschichte der Wahrheit entsprechen, so gehört dieser Amtsveterinär an den Pranger gestellt. Das sind wir schon den gewissenhaften und ehrwürdigen Amtsveterinären schuldig, deren Ansehen durch solche Machenschaften in den Dreck gezogen wird.

Der Sachverhalt

Zaun bei Heiko R.
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Am Mittwochabend den 23. März 2016 soll der Rottweiler von Heiko R. der 5-jährigen Tochter des Nachbarn so ins Gesicht gebissen haben, dass das Mädchen mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik nach Hannover geflogen, und dort drei Stunden notoperiert werden musste. Der Rottweiler soll, laut Aussage der Schwester des verletzten Mädchens, eine 1,60 Meter hohe Bretterwand, die im oberen Bereich mit zwei Reihen Stacheldraht gesichert ist, übersprungen haben. Als der Vater die Schreie der Mädchen hörte, eilte dieser sofort herbei und trat den Hund weg. Dieser ergriff daraufhin die Flucht. Die sofort alarmierte Polizei traf wenige Minuten später ein und fragte den Halter des beschuldigten Rottweiler, ob dieser nicht einen Hund vermisse. Dies verneinte er und öffnete die Tür zum Wohnzimmer, um die beiden Rottweiler vorzuführen. Der Beschuldigte Rottweiler kam auch sogleich aus dem Wohnzimmer und beschnüffelte die Polizeibeamten. Die Polizisten wiesen den Halter an, den Hund wieder wegzusperren und so gab er seinem Hund den Befehl, ins Wohnzimmer zurückzukehren. Der Hund folgte aufs Wort.

Zeitung
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Hetzkampagne durch Schaumburger Zeitung

Die Stimmung im Ort war seit diesem Vorfall bis aufs Äußerste angespannt. Die Beschimpfungen „Mörderhunde“ waren noch die harmloseste Form. Teilweise wurde dem Halter der beiden Rottweiler vor seinem Haus mit Baseballschlägern aufgelauert. Nicht ganz unschuldig an dem Ausnahmezustand im Ort ist wohl die Schaumburger Zeitung, die sich selbst mit „SZ“ abkürzt, um beim Leser einen Bezug zu der seriösen Süddeutschen Zeitung zu suggerieren. Tatsächlich kann von seriöser Berichterstattung nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Schon allein die Überschrift ist nicht richtig. Die Zeitung schrieb „Rottweiler beißt Mädchen (5) ins Gesicht“. Derzeit läuft ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft, welches bis heute nicht abgeschlossen ist. Bis zum Abschluss dieses Verfahrens darf es maximal „Rottweiler soll Mädchen (5) ins Gesicht gebissen haben“ heißen. Das wäre noch mit halbherziger Recherchearbeit zu entschuldigen. Auch wir haben den Fall untersucht. Bei dieser Untersuchung kamen auch wir zwischenzeitlich zu dem Ergebnis, dass es so gewesen sein könnte, bis wir schließlich alle Beweise zusammengetragen hatten, die nur ein Ergebnis zulassen: Es ist quasi unmöglich, dass es einer dieser Rottweiler war.

Aussage gegen Aussage

Rotti Nero-min (2)Laut Angaben des Hundehalters kam der Hundehalter nach Hause, wo seine beiden Rottweiler im Haus eingesperrt waren, ließ sie für etwa fünf Minuten in den abgesicherten Garten, ehe er sie zum Fressen wieder hereinrief. Beide Hunde seien auch ohne jede Verzögerung gekommen. Gefühlte 10 Minuten später klingelte die Polizei an der Haustür. Laut dieser Aussage ist es nahezu unmöglich, dass es einer dieser Hunde war. Die Augenzeugen dagegen wollen alle eindeutig den Rottweiler von Heiko R. als Täter identifiziert haben. Hier steht eine Aussage gegen die des Nachbarn sowie des Vaters und der Schwester des verletzten Mädchens, was Zweifel an der Version von Heiko R. rechtfertigen. Erschwerend kommt hinzu, dass Rottweiler intelligente Arbeitstiere sind, die ihre Aufgaben benötigen. Bei geistiger Unterforderung kann es zu Verhaltensstörungen kommen, die sich im schlimmsten Falle so auswirken, wie im vorliegenden Fall. Da der Rottweiler von Heiko R. wohl weder Hundesport betreibt, noch sonst einer auslastenden Tätigkeit nachgeht, liegt wahrlich der Verdacht nahe, dass es sich bei diesem Angriff um den Hund von Heiko R. gehandelt haben könnte. Die erste Frage zur Klärung des Falls war die nach den Informationen aus der Pressemitteilung der Polizei, die von der Schaumburger Zeitung weggelassen wurden. So durchkämmten wir sämtliche Pressemitteilungen und erlebten eine große Überraschung. Da gibt es Pressemitteilungen über eine gestohlene Geldbörse aus einem Rollator, über den Zusammenstoß zweier Radfahrer mit Unfallflucht, über eine gestohlene Baustellenlampe etc. aber über ein fünfjähriges Mädchen, dass von einem Hund im Gesicht schwerst verletzt wurde, fanden wir nicht eine Zeile.

Warum schweigt die Polizei?

Blaulicht
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Da man uns auf diese Frage sicherlich keine ehrliche Antwort geben darf, bleibt uns wieder einmal nur die Addition von Fakten. Wenn ein Hund wirklich ohne jeden Grund ein kleines Mädchen anfällt und in dieser Weise verletzt, so stellt dieser Hund eine akute Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Nach einem solchen Vorfall hätte die Polizei den Hund normalerweise beschlagnahmen und bis zur abschließenden Klärung des Falls in sichere Verwahrung geben müssen. Dass die Polizeibeamten dies nicht taten, lässt nur einen Schluss zu: Sie waren sich absolut sicher, dass dieser Hund nicht der Angreifer war. Es stellt sich daher die Frage, was die Beamten da so sicher machte.

  1. Fakt eins: Die Hunde sind untrainiert. Ein zweifacher Sprung über den Zaun und der Angriff auf das Mädchen hätten den betreffenden Hund sehr angestrengt. Er hätte so kurz nach der Tat noch hecheln müssen.
  2. Fakt zwei: Der Beißangriff ins Gesicht, bei dem auch ein Ohr schwer verletzt wurde, ist eine extrem blutige Angelegenheit. Das Fell des Hundes hätte noch deutliche Blutspuren aufweisen müssen. Selbst wenn der Hund, was in dieser Zeit quasi unmöglich ist, zwischenzeitlich gebadet wurde, so wäre das Fell zumindest nass gewesen.
  3. Fakt drei: Bei einem Sprung über einen 1,60 Meter hohen Bretterzaun, der mit zwei Reihen Stacheldraht zusätzlich gesichert, und somit weit höher als 1,60 Meter ist, hätte sich der Hund sichtbare Verletzungen zuziehen müssen. Zur Erklärung: Den Weltrekord im Hundehochsprung hält seit 2006 die schlanke, leichtfüßige und sprunggewaltige Cinderella May a Holly Grey mit 172,7 Zentimetern. Dieser soll nun von einem untrainierten Rottweiler gebrochen worden sein?

Drei unerschütterliche Tatsachen, die den Polizeibeamten wohl nicht entgangen sind, und sie zu der Überzeugung bringen mussten, dass es der beschuldigte Hund nicht gewesen sein kann. Doch warum schweigt die Polizei, statt den Sachverhalt aufzuklären? Auch hierfür liegt die Erklärung auf der Hand.

NeroPolizei handelte korrekt

Durch das Verschweigen des tatsächlichen Ermittlungsstandes wurde die Suche nach dem Hund, der tatsächlich für die Tat verantwortlich ist, erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Somit läuft ein vermutlich gefährlicher Hund nach wie vor in dem Ort frei herum. Im Falle eines weiteren Angriffs müsste sich die Polizei wegen Fahrlässigkeit verantworten. Diese kann ihr jedoch nicht vorgeworfen werden, da sie die Gegebenheiten offensichtlich gründlich abgewogen und eine Entscheidung getroffen hatte, die bei der Ermessensausübung von höchstem Pflichtbewusstsein zeugt. Die aufgeheizte Stimmung und die vorgefasste Meinung der Bevölkerung, die von der Schaumburger Zeitung noch in unverantwortlichem Maße geschürt wurde, hätte bei einer wahrheitsgemäßen Pressemitteilung zu Eskalationen geführt, die die öffentliche Sicherheit weit stärker gefährden würde, als ein bissiger Hund. Sollte es zu weiteren Beißangriffen kommen, so ist die Schuld bei der Bevölkerung selbst, bei den Zeugen, die bewusst falsche Aussagen machten und bei der Schaumburger Zeitung zu suchen. Die Polizei dagegen leistete nach unserer Auffassung bei der Schadensbegrenzung die bestmögliche Arbeit.

Lügen, dass sich die Balken biegen

Wie nach solchen Vorkommnissen üblich, gibt es urplötzlich zahlreiche Zeugen, die alle etwas gesehen haben und ganz genau wissen. Einer dieser Zeugen ist ein anderer Nachbar, der den Beißangriff genau durch seine blickdichte Koniferenhecke beobachtet hatte und den Hund ebenfalls genau identifizieren konnte.

Wer einmal lügt, dem glaubt man wohl

Besagter Zeuge zeigte beim Veterinäramt an, dass auch er von dem zweiten Rottweiler in seinem Garten ins Bein gebissen wurde, worauf auch gegen den zweiten Rottweiler strenge Auflagen verhängt wurden. Natürlich konnte sich die Schaumburger Zeitung es sich nicht verkneifen, zu schreiben „Auf jeden Fall hat das Veterinäramt die strengeren Auflagen gegen den Hundehalter auch auf den zweiten Hund ausgedehnt.“ Brauchte sie ja auch nicht, da es ausnahmsweise einmal den Tatsachen entsprach. Verkniffen hat sich die Zeitung lediglich den weiteren Verlauf. Die Anwältin des Hundehalters kontaktierte das Veterinäramt und forderte ein Attest, aus dem der angebliche Hundebiss hervorgehe. Daraufhin hieß es, dass es ein solches Attest nicht gäbe und dass dem Veterinäramt die bloße Anzeige reiche. Nur soviel zu dem Kommentar, der gegenüber der Schaumburger Zeitung vom Leiter des Veterinäramtes, Dr. Wilhelm Brase, abgegeben wurde: „Ich brauche streng genommen einen handfesten Beweis.“ Die Anwältin Wibke Pitsch gab sich mit der Anzeige jedoch nicht zufrieden und forderte Beweise. Nun ging ein Fragebogen an den vermeintlich geschädigten Nachbarn und aus dem Biss in seinem Garten wurden ein „Ans Bein gebufft“ auf der Straße, wo der Rottweiler frei herumgelaufen sei. Ein Geschädigter, der sich nicht wirklich genau erinnern kann, ob er gebissen oder „angebufft“ wurde, und ob es in seinem eigenen Garten oder auf der Straße passierte, ist nicht gerade glaubwürdig. Wer ist dieser Mann, der seinen Nachbarschaftsstreit zulasten unschuldiger Hunde auskämpft, und die Einschläferung unschuldiger Hunde unterstützt, oder zumindest billigend in Kauf nimmt? Ein Hundehasser? Wir wissen es nicht, denn wir kennen diesen Mann nicht. Wir wissen nur, dass er selber Cairn-Terrier züchtet.

Wie gefährlich war der Rottweiler?

Die Nachbarn gaben an, schon immer Angst vor den Rottweilern gehabt zu haben. Anke Oldendorf berichtet, derH.R. und Nero beim schwimmen Schaumburger Zeitung, dass sie die Hunde habe aufwachsen sehen. „Immer waren sie auf dem Grundstück eingesperrt, keiner hat sich gekümmert, sie haben nie gelernt, mit Menschen umzugehen.“ Nach unseren Informationen ist das Grundstück blickdicht eingezäunt, sodass sie die Hunde entweder außerhalb dieses Grundstücks hat aufwachsen sehen können, oder sie konnte sie nicht aufwachsen sehen, da sie immer auf dem blickdicht eingezäunten Grundstück eingesperrt waren. Beides geht nicht. Für Hunde, die es nie gelernt haben mit Menschen umzugehen, verhielt sich der beschuldigte Rottweiler den eintreffenden Polizisten gegenüber jedoch ausgesprochen selbstsicher und friedlich. Wir fragten nach und bekamen die Auskunft, dass der H-R-NeroHalter Heiko R. des Öfteren mit einem Rottweiler auf der Arbeit erschien. Seine Arbeitskollegen, mit denen der Hund stets Kontakt aufnahm, hatten keine Probleme mit diesem Hund. Auch die Aussagen anderer Anwohner, die laut Schaumburger Zeitung nicht namentlich genannt werden wollten, gaben an, dass die fraglichen Hunde im Ort eigentlich nie gesehen wurden. Nicht unbedingt deckungsgleich mit der Aussage des angeblich gebissenen Nachbarn, der behauptet, dass die Hunde des Öfteren freilaufend in den Straßen des Ortes gesehen wurden.

Auch der zweite Rottweiler, gegen den eine Hetzkampagne initiiert wurde, ist lediglich ein weiteres Opfer der Presse und deren Leser, die urteilen, ohne zu hinterfragen. Er wurde von dem Halter an einen sicheren Ort gebracht und dort von einem unabhängigen Diensthundeführer, der selber einen Rottweiler als Diensthund führt, in Augenschein genommen. Trotzdem, dass der Hund nicht ausgelastet ist, zeigte er kein aggressives Verhalten. Er gab sich neutral bis zurückhaltend. Das ist nicht ungewöhnlich, denn nicht jeder Hund, der nicht ausgelastet ist, muss zwangsläufig Verhaltensstörungen aufweisen. Jeder Hund ist unterschiedlich, daher ist auch nicht jeder Hund einer gewissen Rasse als Diensthund oder Assistenzhund geeignet.

Unschuldiger Rottweiler Nero eingeschläfert
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Unschuldiger Hund eingeschläfert

Der Rottweiler, der angeblich ein 5-jähriges Mädchen gebissenen haben soll, wurde inzwischen eingeschläfert. Der Halter gab an, dass er dem psychischen Druck, der nicht zuletzt vom zuständigen Veterinäramt auf ihn ausgeübt wurde, nicht mehr standhalten konnte. Schwer zu glauben, dass ein Veterinäramt, welches auch dem Tierschutz verpflichtet ist, die Einschläferung eines offensichtlich unschuldigen Hundes angeordnet haben soll. Noch schwerer zu glauben, wenn man die Aussage des Veterinäramtsleiters Dr. Wilhelm Brase dagegenhält, die er gegenüber der Schaumburger Zeitung gemacht haben soll. Dort war zu lesen: „… dass man wegen der Tat nicht anordnen könne, dass der Hund eingeschläfert werden muss. Diese Möglichkeit biete das niedersächsische Hundegesetz aufgrund dieser Tat nicht.“ Eine öffentliche Aussage, die in krassem Gegensatz zu der Beschuldigung steht, die Einschläferung sei vom Veterinäramt angeordnet worden. Da es im Veterinäramt auch keinen offiziellen Vorgang zu dem Fall gibt, erscheint die Anschuldigung des Hundehalters in diesem Punkt zunächst sehr fragwürdig, um nicht zu sagen unglaubwürdig. Die erste Tierärztin, die den Hund begutachtete und für ungefährlich erachtete, lehnte die Einschläferung deshalb ab. Auch die telefonische Rücksprache mit dem Veterinäramt hatte daran nichts geändert. Da uns der genaue Wortlaut des Telefonats nicht bekannt ist, müssen wir davon ausgehen, dass auch seitens des Veterinäramtes keine Empfehlung, geschweige denn Anordnung zur Einschläferung erfolgte. Auch in der daraufhin aufgesuchten Tierklinik lehnte man nach Begutachtung des Hundes die Einschläferung ab. Auch hier wurde Rücksprache mit dem Veterinäramt gehalten. Diesmal jedoch wurde das Gespräch laut gestellt. Die anwesenden Zeugen bescheinigen, dass der Amtsveterinär Dr. Güber den Hund als gefährlich bezeichnete, und dass er den Euthanasiebericht per Fax anforderte. Die Anforderung eines Euthanasieberichtes, der logischerweise erst nach einer Euthanasie erfolgen kann, stellt faktisch die Anordnung zur Einschläferung dar. Auch bei der Einschläferung zeigte der Hund keinerlei aggressives Verhalten. Die anschließende Untersuchung des Hundes machte die Tierärzte der Tierklinik jedoch stutzig. Der Hund hatte nicht einmal Kratzer von einem Stacheldraht und auch Verletzungen, die vom Wegtreten des Hundes durch den Vater hätten erkennbar sein müssen, konnten nicht ausgemacht werden. Erst bei einem erneuten Anruf im Veterinäramt gab Dr. Güber zu, den Hund niemals gesehen, geschweige denn begutachtet zu haben.

Wer deckt wen und warum?

Nero R. getoetet
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Mit der faktischen Anordnung zur Euthanasie hat Dr. Güber, gemäß der öffentlichen Aussage seines Amtsleiters, seine Kompetenzen deutlich überschritten. Damit nicht genug fanden keine Untersuchung, keine Begutachtung und keine offizielle Befragung statt. Nicht einmal einen offiziellen Vorgang gab es zu dem Fall, in dem die Kompetenz in dieser Form überschritten wurde. All dies soll nicht vom Amtsleiter geahndet werden? Hat er vielleicht sogar selbst seinen Amtsveterinär zu dieser Handlungsweise angestachelt? Wird im Veterinäramt Wasser gepredigt und Wein getrunken? Fragen, die wir wohl nicht klären können. Fragen, mit denen sich eine übergeordnete Behörde beschäftigen muss. Wir können nur vermuten, warum sich das Veterinäramt zu dieser Verfahrensweise genötigt fühlte. Nicht nur die Polizei, sondern auch das Veterinäramt wurde von der Bevölkerung und der Presse unter Druck gesetzt. Auch die Politik nutzte die Gunst der Stunde, um sich als Trittbrettfahrer ins Rampenlicht zu stellen. So soll Ortsvorsteher Hans-Jürgen Bethge gegenüber der Schaumburger Zeitung gesagt haben: „… jetzt ist die Gemeinde gefordert, dass auch wirklich etwas geschieht“. Die stellvertretende Bürgermeisterin Doreen Schwarzlaff soll bestätigt haben: „… Wir recherchieren im Haus, ob es schon Beschwerden gab und was unsere Möglichkeiten sind“. Auch der Bürgermeister selbst quetscht noch ein paar Lobworte auf die Rasseliste heraus und bestätigt seine Inkompetenz mit folgender Klage: „Niedersachsen ist das einzige Bundesland, dass diese Rasselisten aus dem Hundegesetz gestrichen hat.“ Na, wer hat denn da seine Hausaufgaben nicht gemacht? Zum 1. 1. 2016 hatte auch Schleswig Holstein seine Rasseliste abgeschafft. Aber welcher Politiker weiß schon, wovon er redet. Auf jeden Fall stand auch das Veterinäramt unter Druck und sah wohl in der Euthanasie die schnellste und einfachste Methode, die Wogen zu glätten. Da dies nicht rechtens ist, wurde es unterm Radar und ohne offiziellen Verwaltungsakt durchgezogen.

Bei allem Verständnis, aber hier wurde der leichteste Weg gewählt, der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel völlig außen vor gelassen und gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Auch wenn die Beweggründe verständlich erscheinen mögen, so kann diese Vorgehensweise in einem Rechtsstaat nicht geduldet werden. Bei diesem Verfahren wurden alle Gesetze umgangen und alle Rechtsmittel ausgeschaltet. Weshalb der angreifende Hund zugebissen hat, wurde nicht einmal ansatzweise untersucht. Statt dem Vater nach dem Tritt ins Bein zu beißen, ergriff der Hund die Flucht. Eine Verhaltensweise, die für einen verhaltensgestörten Hund absolut untypisch ist. Im Interesse aller gewissenhaft arbeitenden Amtsveterinäre muss dieser Vorgang eingehend untersucht und geahndet werden.

Bevölkerung straft sich selbst

Durch ihre vorgefasste Meinung und durch ihre Schwäche haben sich die Bewohner von Antendorf von der Masse und der Presse anstacheln lassen und haben damit die Ermittlungen nach dem wahren Täter verhindert. Sie selbst haben sich dadurch einer nicht abschätzbaren Gefahr ausgesetzt. Einige haben obendrein grenzenlose Charakterlosigkeit beweisen. Was ist es beispielsweise für ein Vater, der den Angreifer seines Kindes laufen lässt und es billigend in Kauf nimmt, dass seine Kinder erneut angegriffen werden, nur um dem Nachbarn eins auszuwischen? Aber es wird vielleicht auch den Einen oder Anderen geben, der Charakter und wahre Größe zeigt, indem er bei dem Halter der Rottweiler klingelt und sich für seinen Irrtum und sein Verhalten entschuldigt. Wir sind gespannt, wie viele Bürger von Antendorf Charakter zeigen werden.