Rasselisten sind praktizierter Rassismus

Nach Kampfhundeverbot jetzt Rasselistenverbot?

Dass die Rasseliste absoluter Irrsinn ist, haben Wissenschaftler längst bestätigt, doch Politik und Vernunft sind nur schwer zu vereinen.

Politik wider aller Vernunft

Oft haben wir die Rasseliste kritisiert und mit wissenschaftlichen Studien argumentiert, die den Sinn der Rasselisten widerlegen. Wir klärten darüber auf, dass Tierverhaltensforscher ausgerechnet den als gefährlich eingestuften Bullterrier als eine der freundlichsten Hunderassen bezeichnen. Nicht selten griffen wir die Politiker an, die dies alles ungeachtet lassen. Besonders schlecht kamen dabei die Schweizer weg, doch gerade bei den Schweizern werden wir uns wohl entschuldigen müssen, denn hier findet gerade ein Umdenken statt.

Rasselisten sind praktizierter Rassismus

Die Rechtsanwältin Christine Künzi, von der Stiftung Tier im Recht sagt, dass die Rasseliste die Bevölkerung in einer falschen Sicherheit wiegen würde. Unterstützung erhält sie nun auch aus der Politik. So bezeichnet Sebastian Frehner vom SVP-Nationalrat das Verbot heute als „absolute Überreaktion“. Er kritisiert weiter, dass die Schuld bei den Hunderassen und nicht bei den Hundehaltern gesucht wurde. Eine Vorgehensweise, die er als Hunderassismus bezeichnet. Er sagte weiterhin: «Würde man gewissen Ethnien den Aufenthalt in der Schweiz verbieten, wäre der Aufschrei groß, aber bei den Hunden erlaubt man sich das.» Auch Kathy Riklin sieht in dem Verbot keinen Sinn. Zwar setzt sich die CVP-Nationalrätin für ein strengeres, nationales Hundegesetz ein, jedoch ausdrücklich ohne Kampfhundeverbot. Sie sagt, dass Hunde anderer Rassen genauso gefährlich sein könnten und das Kampfhundeverbot somit keinen Sinn ergäbe.

Verhaltener Optimismus

Gegenstimmen gibt es nach wie vor seitens des FDP-Ständerats Ruedi Noser. Er hält am Hunderassismus fest und sagt, dass potenziell gefährliche Hunde auf der Straße nichts zu suchen hätten. Des Weiteren fordert unter anderem die Beibehaltung der kantonalen Regelung. Nach der derzeitigen Stimmungslage dürften die Tage für ihn aber wohl gezählt sein. Aber auch SP-Nationalrätin Silvia Schenker meldet Bedenken an und würde der Abschaffung des Verbots nur im Falle strengerer Kontrollen zustimmen. Im Gegensatz zu Noser fordert aber auch sie eine nationale Regelung, da Hunde nicht kantonal unterschiedlich gefährlich seien.

Konsequenz bleibt ein Fremdwort

Leider sind auch die Gegner des Hunderassismus nicht wirklich für eine Gleichsetzung der Rassen. So soll die Haltung von Kampfhunden beispielsweise an eine Reihe von Zulassungsvoraussetzungen gebunden sein. Kathy Riklin vertritt den Standpunkt: «Wer einen Kampfhund hält, muss sich an strenge Regeln halten.»

Schade, die Ansätze gehen in Richtung Vernunft, aber in der Konsequenz wird schließlich doch der Schwanz eingekniffen. Aber im Gegensatz zu anderen Ländern beginnt in der Schweiz zumindest ansatzweise ein Umdenken in Richtung der Vernunft.

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