Rasselisten in Deutschland

Welche Rassen sind wo gefährlich?

Wie der Wahnsinn begann

Anfang des Jahrhunderts führte Deutschland eine Rasseliste ein, die im Einfuhrbeschränkungsgesetz aufgeführt ist und die Einfuhr von Hunden der Rassen American Pitbull-Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier nach Deutschland untersagt. Welche Hunderassen sonst noch als gefährlich anzusehen sind und welche Auflagen an ihre Haltung gestellt werden sollen, obliegt den einzelnen Bundesländern, die fleißig begannen, Rasselisten zu verfassen und Auflagen zu kreieren. Die Bayern waren dabei besonders schnell und hatten zu diesem Zeitpunkt längst eine Rasseliste. Dabei waren die Bayern und später die Brandenburger besonders eifrig, mit den umfangreichsten Rasselisten. Das Resultat ist, dass beispielsweise der Dobermann nur dann gefährlich ist, wenn er in Brandenburg lebt, während ein Kangal wohl in Hessen und Hamburg nicht klarzukommen scheint. Da dies alles noch nicht verwirrend genug ist, hat jede Gemeinde ihre eigene Hundesatzung zur Auslegung des Landesrechts.

Regierung unterstellt deutschen Professoren Inkompetenz

Selbst Länder wie Thüringen, die sich bei der Rasseliste sehr zurückgehalten haben, führen die vier Rassen des Einfuhrbeschränkungsgesetzes in ihrer Rasseliste auf.

Ungeachtet der Tatsache, dass der Bullterrier von dem Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) Prof. Hansjoachim Hackbarth als einer der freundlichsten Hunde bezeichnet wird. Zu dieser Erkenntnis kam er nach einer ausführlichen Studie, bei der mehr als 1.000 Wesenstests untersucht wurden. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien des eigenen Landes zu ignorieren und deren Resultaten zuwiderhandeln, kann nur bedeuten, dass die Regierungsmitglieder ihren eigenen Professoren Inkompetenz unterstellen. Trotz dieser Unterstellung unterrichten diese Professoren weiter. Eine recht seltsame Bildungspolitik, deren Beurteilung jedoch nicht Aufgabe eines Hundemagazins ist.

Sinnvoll handeln, oder unsinnig regieren?

Niedersachsen erkannte schnell den Unsinn einer solchen Rasseliste und schaffte diese auch nach kurzer Zeit wieder ab. An der erhöhten Hundesteuer halten die niedersächsischen Gemeinden dennoch fest. Inzwischen erkennen auch andere Länder und Bundesländer, dass sie mit der Rasseliste einen Fehler gemacht haben. Statt diese jedoch abzuschaffen, lassen sie sich neue Schikanen einfallen, die sie dem Bürger als Verbesserung und Erleichterung zu verkaufen versuchen. Aktuelles Beispiel hierzu ist Berlin. Rühmliche Ausnahme ist nur das norddeutsche Bundesland Schleswig Holstein, das die Rasseliste definitiv abschaffte und die erhöhte Hundesteuer an tatsächlich gefährliche Hunde knüpft und nicht an bestimmte Rassen. Das krasse Gegenteil ist Sachsen Anhalt. Dog Aktuell – Das Hundemagazin untersuchte genau deren Beißstatistik 2013. Als Ergebnis dieser Statistik hätte auch hier eine Abschaffung der Rasseliste erfolgen müssen. Leider ist man in Sachsen Anhalt aber wohl nicht dazu in der Lage, die eigenen Statistiken zu verstehen, denn das genaue Gegenteil der logischen Konsequenz fand statt.

Alle Länder geben den Unsinn einer Rasseliste offen zu

Wer den Beitrag bis hierher aufmerksam gelesen hat, stellt fest, dass ausnahmslos alle Länder mit einer Rasseliste offen zugeben, dass diese jeder Grundlage entbehrt. Dies ergibt sich sowohl aus der Tatsache, dass sich die Länder uneinig darüber sind, welche Rassen gefährlich sein sollen und welche nicht, und zum Anderen aus ihren eigenen Statistiken, in denen die ungefährlichen Hunde öfter zubeißen, als die gefährlichen. Besonders deutlich wird es in den Bundesländern, die ihre Rasseliste in die Kategorien 1 und 2 unterteilen. Dabei sind die Rassen in der Kategorie 1 als gefährlich eingestuft. Ohne Wenn und Aber, während bei den Rassen der Kategorie 2 die Gefährlichkeit vermutet wird, die jedoch mit einem Wesenstest widerlegt werden kann. Beispielsweise der Bullterrier ist eine Rasse der Liste 1. Er ist in jedem Falle als gefährlich anzusehen. Doch Bayern und Baden Württemberg sehen das anders und stufen ihn in die Kategorie 2 ein. Saarland und Rheinland Pfalz vertrauen wohl dem Professor Hackbarth und stufen ihn als ungefährlich ein. Einigkeit? Recht? Freiheit? Lassen wir diese Fragen, und wenden uns den Studien zu. Den Studien, die den Sinn der Rasselisten klar widerlegen, haben die Länder nichts entgegenzusetzen, abgesehen von einigen Einzelfällen, die noch nicht einmal ordnungsgemäß untersucht wurden und zum (großen?/größten?) Teil auf Lügen und Rassenhass basieren. Hier geht es zu dem ausführlichen Bericht , wie nachweislich ein unschuldiger Hund von einem deutschen Amtsveterinär zum Tode verurteilt wurde. So werden künstlich Einzelfälle erfunden, während in Deutschland andere sogenannte Einzelfälle vertuscht werden.

Wer steht wo auf der Liste

Um einen Überblick dazu zu schaffen, welche Rasse in welchem Bundesland auf der Rasseliste steht, haben wir für Sie eine kleine Übersicht zusammengestellt. Sie basiert auf dem Stand Januar 2016. Da sich die Länder aber selbst nicht sicher sind, welche Rasse sie als gefährlich abstempeln wollen, kann sich die Liste ggf. von Aktualisierungen abweichen. Des Weiteren kocht in dieser Frage jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen, weshalb diese Übersicht die Nachfrage bei der zuständigen Gemeinde nicht ersetzen kann. Wir empfehlen mehrfache Nachfragen bei unterschiedlichen Sachbearbeitern, da die Erfahrung gezeigt hat, dass auch innerhalb einer Gemeinde vereinzelt niemand genau Bescheid weiß, was genau gefordert wird und was es zu beachten gilt und die einzelnen Aussagen entsprechend widersprüchlich waren.

Hundeverordnungen der Bundesländer

Hundeverordnung in Baden-Württemberg Hundeverordnung in Niedersachsen
Hundeverordnung in Bayern Hundeverordnung in Nordrhein-Westfahlen
Hundeverordnung in Berlin Hundeverordnung in Rheinland-Pfalz
Hundeverordnung in Brandenburg Hundeverordnung in Saarland
Hundeverordnung in Bremen
Hundeverordnung in Sachsen
Hundeverordnung in Hamburg
Hundeverordnung in Sachsen-Anhalt
Hundeverordnung in Hessen
Hundeverordnung in Schleswig-Holstein
Hundeverordnung in Mecklenburg-Vorpommern
Hundeverordnung in Thüringen

Rasseliste der Bundesländer Tabelle

 

Rot (1 und X) = Die Rasse wird als gefährlich aufgeführt;   Blau (2) = Die Gefährlichkeit wird vermutet, kann aber durch einen Wesenstest widerlegt werden
Grün (/ und OL)  = Diese Rasse ist in diesem Bundesland nicht als Listenhund in der Rasseliste eingetragen /dieses Bundesland hat keine Rasseliste