Mini-Bulli auf der Rasseliste, Pitbull Terrier nicht

Als gefährlich eingestuft, weil ungefährlich

Minibulli auf der Rasseliste, Pitbull Terrier nicht

Nun werden auch große Mini-Bulli als gefährlich eingestuft, da sie ungefährlich sind. Der Pitbull Terrier steht nach wie vor nicht auf der Rasseliste.

Über politische Entscheidungen, die jeder Vernunft entbehren, regt sich schon lange keiner mehr auf. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Politiker für Fehlentscheidungen bezahlt werden. Um da aus der Masse hervorzutreten und für Aufmerksamkeit zu sorgen, muss man schon etwas besonders Hirnrissiges verzapfen und genau dies gelang den Verantwortlichen in Nordrhein Westfalen (NRW).

 

Auf die Rasseliste, weil ungefährlich

In fast ganz Deutschland, mit Ausnahme der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland sowie Niedersachsen und Schleswig-Holstein, in denen die Rasseliste abgeschafft wurde, steht der Bullterrier als gefährlich auf der Rasseliste. Das ist zwar schwachsinnig, da Experten den Bullterrier als freundlich und verspielt bezeichnen und Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth vom Institut für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ihn sogar als die freundlichste Hunderasse bezeichnet, doch es ist nur handelsüblicher Unsinn. Um aufzufallen, muss man da noch einen draufsetzen und genau das taten die Verantwortlichen in NRW. Sie untersuchten die Rassestandards von Bullterrier und Miniatur Bullterrier der FCI und des VDH. Dabei kamen sie zu dem verblüffenden Ergebnis, dass beide Rassen, die ja Maßband-S-K-H-Gbekanntlich auch denselben Ursprung haben, bis auf Größe und Gewicht gleich sind. Nun ist der Miniatur Bullterrier in ganz Deutschland als ungefährlich eingestuft, was bei der vorliegenden Erkenntnis zu dem logischen Schluss führen müsste, dass auch der Bullterrier ungefährlich ist. Doch vergessen wir die Logik und bleiben in der Politik, denn hier gilt von nun ab, dass ein Miniatur Bullterrier ebenfalls als gefährlich anzusehen ist, wenn er größer als 35,5 cm ist.

Hunde in der Politik

Es sind also weder die rassespezifischen Merkmale, noch die in § 3 Abs. 3 des Landeshundegesetzes (LHundG) aufgeführten Voraussetzungen, sondern die Größe, die entscheidend ist, ob ein Hund gefährlich ist oder nicht. Es mag in der Politik zutreffend sein, dass ein Minister umso gefährlicher ist, je aufgeblasener er ist, doch dies auf Hunde zu projizieren dürfte doch sehr gewagt sein. Wem dies noch nicht verrückt genug ist, dem kann geholfen werden, denn man legt in NRW noch eine Zugabe oben drauf.

Aus Fehlern lernen ist klug. Fehler zwei Mal machen ist Politik

Bei der Untersuchung der FCI-Standards schien man wohl bemerkt zu haben, dass der Old English Bulldog keine von der FCI anerkannte Rasse ist. Eine neue Chance, die Unfähigkeit unter Beweis zu stellen. Nach fleißigem Suchen fand man schließlich ein passendes Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts (VG) Köln (Urteil vom 30. März 2017, VG Köln, Az. 20 K 5754/16 m.w.N.). Nach diesem Urteil handelt es sich beim Old English Bulldog um eine Rückzüchtung, die zu 50 % aus English Bulldog und jeweils zu 1/6 aus Pitbull Terrier, American Bulldog und Bullmastiff besteht und bei der es sich damit um eine Kreuzung im Sinne des § 10 Abs. 1 LHundG NRW handelt. Somit wurde auch der Old English Bulldog in die Rasseliste aufgenommen. Nichts Neues, denn in Brandenburg hatte man diesen Versuch ebenfalls unternommen, scheiterte jedoch kläglich am VG Potsdam. In dem Urteil hieß es: „Selbst wenn man davon ausgeht, dass weder der OEB noch der Leavitt Bulldog eine eigene Rasse oder Gruppe ist, sondern es sich um Kreuzungen handelt, unterfallen diese nicht der Regelung unter § 8 Abs. 2 HundehV. (…) Entgegen der Ansicht des Antragsgegners kann aus dem Umstand, dass an der Züchtung der OEB und des Leavitt Bulldog Hunde beteiligt waren, die in § 8 Abs. 2 HundehV benannt werden, nicht auf eine Kreuzung der hier betroffenen Hunde im Sinne dieser Vorschrift geschlossen werden.

Vergleich NRW und Brandenburg

Der § 10 Abs. 1, von dem das VG sprach, bezieht sich auf den Umgang mit Hunden bestimmter Rassen bzw. deren Kreuzungen. Die „gefährlichen Hunde“ sind in § 3 Abs. 2 näher beschrieben.

Zum Vergleich: In Potsdam scheiterte der Versuch an dem Wortlaut des § 8 Abs. 2 HundehV:„Hunde folgender Rassen oder Gruppen sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden gelten auf Grund rassespezifischer Merkmale oder Zucht als gefährliche Hunde im Sinne des Absatzes 1 Nr. 1“. (Rechtschreibung nicht korrigiert, da Originalzitat aus dem Gesetzestext). In NRW heißt es im § 3 Abs. 2: „Gefährliche Hunde sind Hunde der Rassen Pittbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier und deren Kreuzungen untereinander sowie deren Kreuzungen mit anderen Hunden.“ Fast identisch, nur dass im brandenburgischen Gesetz mehr Freiräume enthalten sind und selbst diese vor Gericht nichts nutzten.

Dümmer geht immer

Halter von Pitbull Terriern können sich hier auf einen Formfehler berufen, da zwar ein Pittbull Terrier auf der Rasseliste steht, nicht aber ein Pitbull Terrier (man beachte die Feinheit Pittbull/Pitbull). Es kann nicht das Problem der Hundehalter sein, wenn der Gesetzgeber der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig ist. Doch es geht noch weiter. Das Gesetz in NRW hält noch eine Einschränkung bereit. Weiter heißt es in dem Paragrafen: „Kreuzungen nach Satz 1 sind Hunde, bei denen der Phänotyp einer der dort genannten Rassen deutlich hervortritt.“ Kurze Begriffserklärung: „deutlich hervortritt“ ist nicht gleichbedeutend mit „eventuell mit einem entsprechend hohen Maß an Fantasie zu vermuten ist“. Entweder hat man in NRW das eigene Gesetz nicht richtig gelesen, oder man vertraut darauf, dass die Halter von Old English Bulldog es nicht richtig lesen. Auf jeden Fall beweist diese Gesetzesänderung mal wieder „Dümmer geht immer.“