Kampfhundesteuer in Wiesloch bringt Stadtrat in Erklärungsnot

Widersprüche sollen erhöhte Kampfhundesteuer rechtfertigen

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Kampfhundesteuer in Wiesloch bringt Stadtrat in Erklärungsnot

In einer Stellungnahme zur Kampfhundesteuer verwickelte sich Stadtrat Lang in Widersprüche und meinte, damit die erhöhte Hundesteuer zu rechtfertigen.

Die neue Hundesteuersatzung in Wiesloch hat bei der Bevölkerung mit und ohne Hund für viel Aufsehen, Kritik und Verärgerung gesorgt. Dass diese neue Hundesteuersatzung ohne jeden Sinn und Verstand erlassen wurde, haben wir in unserem Artikel https://dogaktuell.de/in-wiesloch-wird-es-rassistisch/ bereits dargelegt. Nun wurde Stadtrat Bernd Lang (FDP) um eine Stellungnahme gebeten. Mit seiner Rechtfertigung verwickelte er sich in zahlreiche Widersprüche.

Stellungnahme zur KampfhundesteuerStellungnahme zur Kampfhundesteuer

Sortieren wir mal seine Stellungnahme und fragen, warum gewisse Hunderassen höher besteuert werden sollen. Bernd Lang sieht in der neuen Besteuerung von Kampfhunden, zu denen auch Herdenschutzhunde gehören, eine sinnvolle Maßnahme, um Kampfhunde aus dem Ort fernzuhalten. Warum aber sollen diese Hunde aus dem Ort ferngehalten werden? In seiner Stellungnahme schreibt er: „(…) wenn mir ein Kampfhund begegnet, und mag er noch so an der kurzen Leine mit dickem Lederhalsband nahe am Herrchen oder Frauchen geführt sein, so habe ich schlichtweg Angst.Alles klar. Er hat Angst vor Hunden, die einen Wesenstest absolviert und bestanden haben und deswegen müssen die Hunde weg. Seine Angst begründet er wie folgt: „(…)woher soll ich wissen, ob der Besitzer und der Hund nicht nur bei der Wesensprüfung, die schon lange zurückliegen kann, gut drauf war, sondern auch aktuell ist.“ Wir sparen uns mal die Frage, woher man dies bei Hunden anderer Rassen wissen soll, die nie einen Wesenstest abgelegt haben und kommen gleich zu einer weiteren Erklärung: „Ich kann den bisherigen Stellungnahmen nicht folgen, die den Eindruck erwecken wollen, als könnten die geächteten Rassen genauso erzogen und gehalten werden wie alle anderen Hunderassen.“ Der Mann scheint Fachmann zu sein, wenn er sich traut, eine solche Aussage öffentlich kundzutun. Tatsächlich beschreibt sich dieser vermeintliche Fachmann selbst als „(…)gelegentlicher (Ferienzeit-)Besitzer des besterzogenen, liebsten und bravsten Familienhundes in ganz Wiesloch (…). Wir wollen besser nicht wissen, was man unter einem „gelegentlichen Freizeitbesitzer“ versteht, wir versuchen lediglich festzustellen, welche Qualifikation hinter diesen Aussagen steckt.

Angst ist AngstAngst ist Angst

Es geht also darum, dass die Bürger Angst vor Hunden gewisser Rassen haben, wobei es keine Rolle spielt, ob diese Angst begründet ist oder nicht. Angst ist Angst. Was ist mit den Streifenwagen der Polizei? Die meisten Autofahrer zucken ängstlich zusammen, wenn sie einen Streifenwagen der Polizei hinter sich haben? Werden diese aus Wiesloch verbannt? Was ist mit den Steuerprüfern vom Finanzamt, vor denen fast jeder Unternehmer Angst hat? Wird es zum Schutz der Unternehmer in Wiesloch keine Steuerprüfungen mehr geben? Jetzt höre ich schon die Kritiker, die meinen, dass dies überspitzt und unsachlich sei. Doch Angst ist Angst. Wer ein verkehrssicheres Auto fährt und sich an die Verkehrsregeln hält, braucht keine Angst vor der Polizei zu haben und dennoch fährt das ungute Gefühl mit. Wer seine Steuer ordnungsgemäß abführt, der braucht auch vor dem Steuerprüfer nicht zu zittern. Doch das ungute Gefühl bleibt. Wer sich Hunden gegenüber korrekt verhält, braucht selbst vor wirklich gefährlichen Hunden keine Angst zu haben, sofern der Halter sich ebenfalls korrekt verhält. Das richtige Verhalten Hunden gegenüber, versucht die Polizei Bayern mit einer Fibel bereits Kindern zu vermitteln. Wer dennoch Angst hat, der kann den Hunden aus dem Weg gehen, was beim Streifenwagen und Steuerprüfer nicht möglich ist. Warum man als Nichthundehalter den Umgang mit Hunden lernen muss, liegt an der Anzahl der in Deutschland gehaltenen Hunde. Sie gehören zum Straßenbild, wie der Autoverkehr. Auch als Nichtautofahrer muss ich gewisse Verkehrsregeln lernen. Die Anzahl der Hunde in Deutschland beträgt in etwa der Anzahl der Pkw in den 60er Jahren.

Bürger? Wen interessiert der Bürger?
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Bürger? Wen interessiert der Bürger?

Für die Kritiker bleiben wir aber beim Hund. Wenn die Bürger vor gewissen Rassen Angst haben, so müssen diese Rassen aus der Stadt verschwinden. FALSCH! Es geht nicht um die Angst der Bürger. Wen interessieren schon die Bürger? Kommen wir wieder auf den Stadtrat Bernd Lang und seinem „besterzogenen, liebsten und bravsten Familienhundes in ganz Wiesloch“ zurück. Hierzu schreibt er: „() stelle ich beim Gassigehen immer wieder fest, dass manche anderen Spaziergänger die außerordentlich sanfte Wesensart unseres besterzogenen, Hundes nicht wahrnehmen, oder vielleicht trauen sie auch mir -trotz meiner grauen Schläfen- nicht und machen oft einen großen Bogen um uns.“ Demzufolge müsste auch sein Ridgeback, vor dem die Bürger Angst haben, mit einer erhöhten Kampfhundesteuer aus dem Ort verbannt werden. Immerhin sind Rhodesian Ridgeback so einschüchternd, dass die Polizei in Berlin einen Hund dieser Rasse im Stadtpark erschoss. Dem ist aber nicht so. Die Angst der Bürger ist es nicht, die maßgeblich für die Hundesteuer ist, sondern die Angst des Kämmerers vor leeren Kassen.

Höhere Hundesteuer statt erhöhter HundesteuerHöhere Hundesteuer statt erhöhter Hundesteuer

Nein, das ist kein Unsinn, das ist Politik, wobei es letztendlich auf das Gleiche herauskommt. Mit der erhöhten Kampfhundesteuer sollen die „geächteten Rassen“ aus der Stadt ferngehalten werden. Stadtrat Bernd Lang sah jedoch ein, dass man Halter dieser Rassen jetzt nicht einfach mit einer erhöhten Hundesteuer belegen kann. Er will den Vorschlag einbringen, dass die erhöhte Hundesteuer nur für neu angeschaffte Hunde gelten soll. Die bereits vorhandenen sollen eine schrittweise Hundesteuererhöhung erhalten.

Herr Lang

Sehr geehrter Herr Lang, es ist jedem von uns bewusst, dass es Ihre Aufgabe als Politiker ist, den Wähler für dumm zu verkaufen und ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen. Vielleicht geben Sie sich bei Ihrer nächsten Märchenstunde etwas mehr Mühe, es nicht ganz so offensichtlich zu betreiben.