Kampfhunde – Familienhunde?

Staff n kids-1Eine sehr wichtige Frage, die es einmal wahrheitsgemäß zu beantworten gilt. Regelmäßig erhalten wir Falschmeldungen über „Kampfhunde“. Nicht nur in dem täglich erscheinenden Märchenbuch mit den großen Buchstaben, von einigen auch „Tageszeitung“ genannt, sondern auch in den vermeintlich seriösen Magazinen. So nimmt niemand Anstoß daran, dass Haltern dieser Hunde bis zu 1.000 Euro Hundesteuer abgezockt und Wesenstests vorgeschrieben werden. Diese Wesenstests verlangen unter anderem von den Hunden ein friedfertiges Verhalten, wenn sie brutal angegriffen werden. Einen solchen Test würden Hunde, die nicht als gefährlich eingestuft sind, nur in den seltensten Fällen bestehen. Glücklicherweise sind die sogenannten „Kampfhunde“ extrem gutmütige Familienhunde und bestehen diese Tests fast ausnahmslos. Beißattacken von „Kampfhunden“ findet man nur in Tageszeitungen und Nachrichtensendungen. In entsprechenden Statistiken hingegen sucht man diese meist vergeblich und wenn doch, so an den letzten Stellen.

Warum bezeichnet man gewisse Rassen als Kampfhunde und warum wird ihnen dieses Aggressionspotenzial unterstellt?

In früheren Jahren fanden in vielen Ländern Hundekämpfe statt und so wurden Hunde gezüchtet, die besonders mutig und im Kampf schmerzunempfindlich waren. Ein weiteres Kriterium war die hohe Angriffslust gegen Artgenossen. Auf diese Weise entstanden Hunderassen, die wir auch heute noch als „Kampfhunde“ bezeichnen. Nachdem jedoch Hundekämpfe verboten wurden, wandelten sich die Zuchtziele und Familientauglichkeit, Kinderfreundlichkeit und Loyalität sind die heute erwünschten Eigenschaften.
Ein klassisches Beispiel für die Falscheinschätzung von Kampfhunden ist der Staffordshire Bullterrier. Er gehört in Großbritannien zu den beliebtesten Familienhunden und ist dort mit ca. 13.000 Hunden die fünfthäufigste Hunderasse. Zu den wichtigsten Zuchtzielen gehören Intelligenz, Menschen- und Kinderfreundlichkeit. Die Eigenschaften aus seiner Vergangenheit als Kampfhund, nämlich Tapferkeit, Mut, Entschlossenheit und 100%ige Zuverlässigkeit sind ihm erhalten geblieben. Während die Engländer diese Eigenschaften dahin gehend nutzen, dass sie diesen Hund erfolgreich als
Rettungshund einsetzen, wird er in Deutschland auf die Liste für gefährliche Rassen gesetzt. Man mag geneigt sein, zu sagen, dass Bulli-TherapieHundes dümmer nicht mehr geht, aber die Österreicher belehren uns da eines besseren. Auch sie führen den Staffordshire Bullterrier auf der Liste für gefährliche Hunde, setzen ihn aber gleichzeitig, und mit Erfolg, als Rettungshund ein. Eine glorreiche Ausnahme von dem Rasselisten-Wahnsinn bildet Niedersachsen. Hier wurde die Rasseliste inzwischen wieder abgeschafft, mit dem Erfolg, dass Staffordshire Bullterrier dort mit großem Erfolg als Therapiehunde eingesetzt werden.

Lesen Sie den ausführlichen Bericht im „Dog aktuell – Das Hundemagazin“ Ausgabe 01/2014