IPO Vielseitigkeitssport

IPO als die älteste Hundesportart im Porträt

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IPO Vielseitigkeitssport

Der Vielseitigkeitssport nach IPO ist die älteste Hundesportart überhaupt und wird oft mit der Schutzhundeausbildung der Diensthunde verwechselt.

Bevor wir zum eigentlichen Beitrag kommen, noch ein paar Worte zum Schutzhundesport vorweg. Leider werden bei diesem Thema immer wieder Stimmen laut, die behaupten, die Hunde würden dort „scharf“ gemacht. In der Tat sieht der Hund schon sehr gefährlich aus, wenn er sich brutal in den Hetzärmel verbeißt. Zu erwähnen ist, dass nicht nur Schutzhunde, sondern fast alle Hunde einen Verteidigungsangriff starten, wenn sie eine Gefahr für sich, ihr Herrchen/Frauchen oder dessen Eigentum sehen. Der Schutzhund startet den Angriff auf Kommando, bricht diesen aber auf Kommando auch wieder ab. Genau hierin unterscheidet sich der Schutzhund vom „normalen“ Familienhund. Er ist keineswegs schärfer, dafür aber wesentlich kontrollierbarer. Fast alle Polizeihunde sind ausgebildete Schutzhunde, sogar mit Zivilschärfe, doch dazu später mehr. Zu Hause spielen und schmusen diese „gefährlichen“ und „scharfen“ Hunde mit den Kindern des Hundeführers.

Begriff

IPO bedeutet internationale Prüfungsordnung für Gebrauchshunde. Der Sport, der nach der IPO ausgeführt wird, ist der Vielseitigkeitssport, der umgangssprachlich als IPO bezeichnet wird. Die Geschichte des Vielseitigkeitssports ist länger, als die jeder anderen Hundesportart, denn es ist die älteste Hundesportart überhaupt.

Hetzärmel
© Malionis vom Hause Ritter

Hetzärmel

Objektiv muss sich jeder Zuschauer fragen, warum der Hund in den Hetzärmel beißt. Der Hetzärmel schützt den Figuranten vor Verletzungen. Wenn der Hund in diesen Hetzärmel beißt, kann er dem Figuranten nichts anhaben. Spätestens nach drei bis vier Versuchen muss dies auch der dümmste Hund kapiert haben. Wieso beißt der Hund dennoch immer wieder in den Hetzärmel, statt in eine ungeschützte Körperstelle? Die Antwort ist ganz einfach und auf diesem Bild auch sehr anschaulich dargestellt: Der Hund will den Figuranten gar nicht verletzen. Oftmals sind der Figurant und der Hund sogar gute Freunde. Es ist der Hetzärmel, der den Hund interessiert. Das ist seine „Beute“. Würde der Figurant bei einem „Angriff“ den Hetzärmel verlieren, so würde sich der Hund stolz seine „Beute“ schnappen und den Figuranten ignorieren.

Schutzhund in der IPO und Diensthund

Schutzhund in der IPO und Diensthund
© Pixabay

Man könnte nun meinen, dass ein Schutzhund gar keinen Schutz bietet, wenn er nur auf Hetzärmel scharf ist. In der Tat ist ein nach IPO ausgebildeter Schutzhund nicht darauf trainiert, Menschen auf Kommando grundlos anzugreifen. In diesem Spiel bzw. Sport, je nach dem, ob man es aus Sicht des Hundes oder aus Menschensicht betrachtet, interessiert den Hund wirklich nur der Hetzärmel. Eine akute Gefahr dagegen spürt der Hund und wird sich, sein Herrchen/Frauchen bzw. dessen Eigentum verteidigen. Er wird aber auf Kommando diese Verteidigung auch wieder abbrechen. Vom Diensthund wird zusätzlich eine Zivilschärfe verlangt. Von einem Täter auf der Flucht geht keine Gefahr mehr aus. Dennoch muss der Diensthund den Täter verfolgen, stellen und an der Flucht hindern. Wenn es sein muss auch mit Gewalt. Damit der flüchtige Täter den Diensthund nicht mit einem weggeworfenen Hetzärmel befriedigen kann, muss ein Diensthund einen Menschen auch dann auf Kommando angreifen, wenn keine akute Gefahr vorliegt. Die Ausbildung auf Zivilschärfe ist nicht Teil der IPO, sondern Diensthunden von Polizei, Bundesgrenzschutz etc. und, mit entsprechender Genehmigung, Diensthunden im Sicherheitsdienst vorbehalten.

Sinn und Zweck der IPO

Die älteren Hundesportler haben sie mit ihren Hunden noch abgelegt; die Schutzhundeprüfungen SchH1 bis SchH3. Diese wurde später in die treffendere Bezeichnung Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde VPG1 bis VPG3 umbenannt. Seit 2012 nennen sich diese Prüfungen im VDH internationale Gebrauchshundeprüfung (IPO) bzw. im ÖKV Sport-Gebrauchshundeprüfung (ÖPO). Geprüft werden die Hunde in drei Bereichen, die in der IPO als Abteilungen bezeichnet werden.

Gehorsam auch in Trieb- und Stresssituationen
© Sven Keller
  • Abteilung A Fährte
  • Abteilung B Unterordnung
  • Abteilung C Schutzdienst

Die Hunde müssen bei diesen Prüfungen Gehorsam auch in Trieb- und Stresssituationen beweisen. Die IPO ist deshalb auch ein unverzichtbarer Bestandteil der Hundezucht um möglichst zuverlässige Hunde züchten zu können.

Die drei Abteilungen

In der Abteilung A (Fährte) muss der Hund auf einer Distanz zwischen 400 und 800 Schritten einer Fährte folgen und dabei bis zu drei Gegenstände finden und anzeigen.

Die Abteilung B (Unterordnung) verlangt vom Hund Aufmerksamkeit und dass er die Hörzeichen schnell, exakt und freudig ausführt. Gefordert ist Leinenführigkeit wie Freifolge. Sitz, Platz und

Die drei Abteilungen
© Malionis vom Hause Ritter

Stehkommandos sind aus der Bewegung heraus zu befolgen. Außerdem stehen noch Apportierübungen auf dem Programm.

Nervenstärke, Disziplin und Vertrauen sind Grundvoraussetzung, um in der Abteilung C (Schutzdienst) zu bestehen. Absolute Disziplin ist auch beim Hundeführer erforderlich und nur mit perfekter Kommunikation zwischen Hundehalter und Hund können in dieser Disziplin, die vom Hund Gehorsam in absoluten Grenzfällen abverlangt, höchste Punktzahlen erreicht werden. Der Hund muss zunächst einen Scheintäter finden, stellen und an der Flucht hindern. Er muss Überfälle verhindern und den Täter bewachen.

Rassen und Voraussetzungen in der IPO

Grundsätzlich sind alle Rassen für diesen Sport geeignet, die eine Begleithundeprüfung (BH) abgelegt haben. Dennoch sind Rassen, die besser nicht springen sollten, wie beispielsweise Dackel, besser außen vor zu lassen. Bei besonders schweren Hunden, wie zum Beispiel Old English Mastiff, sind IPO Prüfungsergebnisse zwar für die Zucht wichtig, im privaten Hundesport ist bei diesen Hunden Mondioring die gelenkschonendere Alternative. Zum Einen, da der Hund auch am Bein zufassen kann und somit der Sprung an den Hetzärmel nicht notwendig ist, und zum Anderen, weil es bei den Hürden eine Abstiegshilfe gibt. Wie beim Weight Pull, gibt es auch im Vielseitigkeitssport zahlreiche Kritiker, deren Kritik auf Unwissenheit und Fehlinformationen zurückzuführen ist. Wer sich dagegen unvoreingenommen mit diesen Hundesportarten befasst, wundert sich hinterher auch nicht mehr darüber, dass ein Chihuahua Weight Pull betreibt oder ein Border Collie im Vielseitigkeitssport hervorragende Ergebnisse erzielt.

Border Collie bei FCI-WM (Glenn de Bie) 

Wettkämpfe

In den Hundesportvereinen werden Pokalkämpfe ausgerichtet, die als Teamwettkämpfe oder in der Einzelkonkurrenz stattfinden. Diese Wettkämpfe werden in den Abteilungen B (Unterordnung) und/oder C (Schutzdienst) ausgefochten. Bei den Meisterschaften wird zwischen zwei Kategorien unterschieden. Meisterschaften der einzelnen Rasseverbände und Meisterschaften aller Rassen. Voraussetzung ist jeweils die IPO3. Während die Rasseverbände eigene deutsche Meisterschaften ausrichten, richtet der Deutsche Hundesportverband die Deutsche Meisterschaft (DM) des dhv für alle Rassen aus. Die Qualifikation hierfür erfolgt durch verschiedene Veranstaltungen, die von den Mitgliedsverbänden ausgerichtet werden. Die Besten aus den Rasseverbänden und des dhv treten dann bei der Deutschen Meisterschaft des VDH gegeneinander an. Die besten Sechs qualifizieren sich dann für die IPO-WM der FCI.