Hundehalter in der Covid-19 Krise

Infiziert oder nicht – Was bedeutet Covid-19 für Hund und Halter?

Hundehalter in der Covid-19 Krise
© dogaktuell.de

Brennende Fragen zur Covid-19 Pandemie

Covid-19 wird durch das Corona-Virus SARS -CoV-2 ausgelöst. Der unsichtbare Feind, breitet sich weiter aus und verbreitet Angst und Schrecken. Nicht minder gefährlich sind die „sichtbaren Feinde“. Die mit Falschmeldungen zur Corona-Krise entweder die Gefahr verharmlosen, oder mit Horrormeldungen Verwirrung und falsche Handlungsweisen provozieren. Die wichtigsten Fragen sollen hier beantwortet werden.

Kann mein Hund das Corona-Virus übertragen?

Die Wissenschaft sagt pauschal Nein, andere behaupten ja. Beides ist im Prinzip richtig. Hunde können sich mit dem Corona-Virus nicht infizieren. Somit dienen Hunde dem Virus nicht als Wirt, in dem sie sich vermehren und sich so weiter verbreiten können. Dennoch kann das Corona-Virus an/auf dem Hund haften. Hatte der Hund also Kontakt mit einer infizierten Person, so können dem Hund die Viren anhaften. Bei engem Kontakt mit dem Hund kann so auch eine nicht infizierte Person über den Hund angesteckt werden. Im Gegensatz zum klassischen Überträger, der dem Virus als Wirt dient, ist die Gefahr beim Hund zeitlich begrenzt. Da sich das Virus auf dem Hund nicht vermehren kann, stirbt es nach einer gewissen Zeit ab und der „kontaminierte“ Hund ist wieder clean.

Wie lange überlebt das Virus auf dem Hund?

Eine Frage, mit der sich zahlreiche Wissenschaftler beschäftigt hatten und noch immer beschäftigen. Erste Erkenntnisse der Ruhr-Universität in Bochum bescheinigten eine Lebensdauer „auf Oberflächen“ bei Raumtemperatur von bis zu neun Tagen. Der Durchschnitt liegt nach den Studien der Universität bei vier bis fünf Tagen. Dabei sollen niedrige Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit die Lebensdauer noch verlängern. Die Rede ist jedoch stets von „Oberflächen“. Geht man nun von einer niedrigen Luftfeuchtigkeit in geheizten Räumen und einer Felltemperatur deutlich über Zimmertemperatur aus, so kann man wohl von weniger als fünf Tagen ausgehen. Diese Erkenntnis der Ruhr-Universität, die sich aus 22 Studien ergab, wurde jedoch recht schnell aus den USA korrigiert. Dort fand man folgende Überlebenszeiträume heraus:

  • Kunststoff und Edelstahl bis zu drei Tage auf Kunststoff und zwei bis drei Tage auf Edelstahl, allerdings auf beiden Oberflächen mit abnehmenden Infektionsgrad.
  • Papier und Pappe ein Tag
  • Polypropylen (Kunststoff vonArmaturenbrettern, Batteriegehäusen etc.) 16 Stunden
  • Kupfer vier Stunden
  • Luft, Rauch oder Nebel drei Stunden

Dem Hundehalter nutzen diese neuen Erkenntnisse jedoch herzlich wenig, denn über die Lebensdauer im Fell oder auf der Lederleine bzw. dem Lederhalsband sagen die Studien nichts aus. Sicher ist nur, dass auch ein Hund beim Gassigehen den Erreger im Fell mit nach Hause bringen kann. Vorsicht ist daher selbst beim Kontakt mit Hunden geboten, wenngleich sie keine klassischen Überträger sind.

Wer darf wo und wie Gassi gehen?

Hunde brauchen Auslauf. Für eine artgerechte Haltung ist die Gassirunde unabdingbar. Ein überdimensioniertes Katzenklo für den Hund ist definitiv keine Alternative. So ist es Hundehaltern nach wie vor erlaubt, mit seinem Hund Gassi zu gehen. Das betrifft jedoch nur nicht infizierte Halter. Ein Freibrief ist es dennoch nicht. Auch wenn die sozialen Kontakte für den Hund genauso wichtig sind, wie für den Menschen, so müssen sich beide einschränken. So fällt die gemeinschaftliche Gassirunde genauso flach, wie der wöchentliche Stammtisch. Zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie gilt das Kontaktverbot auch für Hundehalter. Die Länge des Spaziergangs sollte auf ein Minimum reduziert werden. Das reduziert nicht nur die Gefahr einer Ansteckung, sondern auch die Gefahr eines empfindlichen Bußgeldes, denn die Länder und Landkreise können aufgrund regionaler Besonderheiten auch spezielle Regelungen treffen. Wer diese aus Unwissenheit nicht befolgt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Infizierte Personen haben allerdings tatsächlich den Schwarzen Peter gezogen.

Covid-19 positiv; was nun?

Hundehalter, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, haben ein echtes Problem. Die Quarantäne lässt für die Gassirunde keine Ausnahme zu. Wohl dem, der einen eigenen Garten hinter dem Haus hat, denn hier darf der infizierte Halter seinen Hund laufen lassen, sofern das Grundstück sicher eingezäunt ist. Auch in Wohnanlagen mit einem Gemeinschaftsgarten besteht diese Möglichkeit, sofern sich zu diesem Zeitpunkt keine nicht infizierte Person auf dem Gelände aufhält. Der infizierte Halter selbst, darf das Haus jedoch nicht verlassen. Hundehalter haben aus diesem Grund diverse Selbsthilfegruppen gebildet, in denen sich Hundefreunde anbieten, mit den Vierbeinern der unter Quarantäne gestellten Haltern Gassi zu gehen. Diese publizieren sich in der Regel über die sozialen Netzwerke. Damit die gut gemeinte Hilfe am Ende nicht zur bösen Falle wird, gilt es einiges zu beachten. Wie auch vor der Covid-19 Krise müssen die Gassigeher auch heute einen Sachkundenachweis vorweisen können, sollte es sich bei dem Hund um einen Listenhund oder einen als gefährlich eingestuften Hund handeln. Wichtig ist auch die Haftungsfrage. Sobald für die Hilfeleistung eine kleine „Anerkennung“ bezahlt wird, handelt es sich nicht mehr um eine Gefälligkeit und die Tierhalterhaftpflichtversicherung des Hundehalters kommt für eventuelle Schäden nicht mehr auf. Davon ausgenommen sind lediglich Aufwandsentschädigungen, also beispielsweise die Erstattung des Bustickets, da der Helfer mit dem Linienbus anreisen musste. Damit enden die Schwierigkeiten leider nicht. Das nächste Problem ist die Übergabe des Hundes. Der Hundesitter sollte mit dem Halter bei der Übergabe nicht in Kontakt kommen. Idealerweise sollte er auch die Wohnung nicht betreten, sondern den Hund im Hausflur empfangen. Wie oben beschrieben, kann das SARS-CoV-2 Virus auch auf Oberflächen haften und geraume Zeit überleben. Der Hundesitter sollte zur eigenen Sicherheit deshalb ein eigenes Halsband und eine eigene Leine mitbringen, was natürlich nur dann Sinn ergibt, wenn er den Hund „nackt“ empfängt. Muss er ihm erst das gewohnte Halsband ausziehen, so hat er bereits Kontakt mit dem befallenen Halsband gehabt und ein Wechsel bringt keinen Nutzen.

Kann man das SARS-CoV-2 Virus töten?

In der Tat ist das Virus nicht unverwundbar. Die meisten Desinfektionsmittel sind geeignet, um das Virus abzutöten. Gerade auf Türklinken, Fenstergriffen oder Kunststoffflächen, auf denen das Virus lange überleben kann, ist die Desinfektion eine sinnvolle Präventivmaßnahme. SARS-CoV-2 Viren, die sich auf Kleidungsstücken befinden, machen in der Waschmaschine bei 60 oder besser noch 95 Grad endgültig schlapp. Beim Hund wird es schwieriger. Desinfektionsmittel greife ihre Schleimhäute an und sind beim Ablecken des Fells obendrein noch gesundheitsschädlich. Dass bei Hunden auch die Waschmaschine ausscheidet, muss wohl nicht näher erläutert werden. Als altbewährtes Desinfektionsmittel wird auch oftmals auf Alkohol zurückgegriffen. So manch einer freut sich, dass er den Whisky nun als Desinfektionsmittel von innen bezeichnen darf. Aber abgesehen davon, dass auch Alkohol bei Hunden keine Alternative ist, stellt es auch beim Menschen mehr eine Ausrede als eine Erklärung dar. Der Alkohol von innen lässt das SARS-CoV-2 keineswegs verschwinden, allenfalls den Führerschein, wenn danach noch gefahren wird. Der einzig wirksame Schutz bleibt somit das Waschen der Hände vor und nach dem Kontakt mit dem Hund und die Vermeidung der geliebten Kuschelstunde.

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