Hunde im Auto transportieren

Rückhaltesysteme für Hunde im Auto

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Damit Hunde bei einem Unfall im Auto nicht zum Geschoss werden, gibt es verschiedene Rückhaltesysteme auf dem Markt. Reist der Hund damit sicher?

Rechtlich gesehen gilt der Hund als „Ladung“ und muss ordnungsgemäß gesichert werden. Einen ungesicherten Hund im Auto mitzunehmen ist nicht nur verboten, sondern kann im Falle eines Unfalls für Hund und Insassen des Fahrzeugs tödliche Folgen haben.

Sicher ist nicht unbedingt sicherHunde im Auto transportieren

Der Markt überschüttet den Hundehalter mit einer unüberschaubaren Masse an Rückhaltesystemen. Angefangen bei den universellen Rückhaltesystemen für Ladung aller Art in Form von Gepäcknetzen oder Trenngittern, über Gurtsysteme bis hin zu den diversen Formen von Hundeboxen. Die gesetzliche Auflage der Ladungssicherung wird mit allen Formen erfüllt. Sicherheit bieten nur die wenigsten dieser Produkte. Alleine die Plastikverschlüsse, die bei einigen Gurtsystemen Verwendung finden, sollten skeptisch machen. Bei einem Aufprall mit Tempo 50 km/h muss dieser Verschluss bei einem 25 kg schweren Hund etwa 850 kg halten. Das entspricht dem Gewicht eines Golf I GTI. Das halten selbst manche Metallverschlüsse nicht aus. Insbesondere bei Gurtsystemen mit einfacher Anbindung kommt es oft zu einem Totalversagen. Bei Gurtsystemen mit doppelter Anbindung sind die Insassen relativ sicher. Beim Hund ist von schweren Verletzungen bis hin zum Genickbruch alles möglich. Der Rottweiler im Kofferraum trümmert bei dieser Geschwindigkeit mit etwa 1.800 kg in das Gepäcknetz. Das sind rund 100 kg mehr, als ein 5er-BMW-Touring wiegt. Ob ein Gepäcknetz das aushält? Ein eingespanntes Trenngitter mit Sicherheit nicht. Das Trenngitter würde, mit samt des Hundes, nach vorne schleudern und Hund und Insassen schwer verletzen. Mehr Sicherheit versprechen fest verankerte Hundeboxen. Sie werden meist durch Gurte gegen seitliches Verrutschen und durch die Rücksitzbank gegen den Schub nach vorne gesichert. So sind Hund und Insassen im Falle eines Frontalaufpralls relativ gut gesichert. Doch leider trügt auch hier der erste Anschein.

Video ADAC: Tiertransporte im Auto:

Crashtests sagen nicht genug

Wenn Rückhaltesysteme mittels Crashtests geprüft werden, so handelt es sich stets um den Frontalaufprall. Der seitliche Aufprall, also wenn ein anderes Fahrzeug in die Seite des eigenen Pkw fährt, wird bei Fahrzeugen, aber so gut wie nie bei Rückhaltesystemen getestet. Alleine die Zentrifugalkräfte bei rasanten Ausweichmanövern haben gezeigt, dass Hundeboxen hierdurch teils erheblichen Schaden nehmen. Von dem armen Hund in der Box, der bei diesen Tests gottlob nur ein Dummy war, wollen wir gar nicht reden. Dass bei einem seitlichen Aufprall noch größere Kräfte wirken, als bei einem Ausweichmanöver, dürfte auf der Hand liege. Welche Auswirkungen dies auf Hund und Box hat, kann sich jeder leicht ausrechnen.

Video TCS Test Hundeboxen:

Besonders kritisch ist der Heckaufprall, der ebenfalls kaum getestet wird. Hier werden zwar weder Gepäckstücke noch Hund nach vorne geschleudert, dafür kracht aber das auffahrende Fahrzeug direkt in die Hundebox hinein. Bricht die Box, so können die scharfkantigen Bruchstücke den Hund schwer verletzen und der Hund könnte nach dem Unfall die gebrochene Box und durch die zerstörten Fenster das Fahrzeug verlassen. Bei einem Heckaufprall ist es wichtig, dass die Box die Aufprallenergie durch leichte Verformung abfängt, ohne dabei zu brechen. Extrem kritisch ist auch ein Unfall, bei dem sich das Fahrzeug überschlägt. Ungesicherte, oder nur gegen seitliches Verrutschen gesicherte Boxen fliegen bei einem solchen Unfall unkontrolliert durch das Fahrzeug. Dabei können sich die Türen der Box öffnen und der Hund wird hinausgeschleudert. Ein Szenario, das im schlimmsten Fall weder Hund noch Insassen überleben.

Video Verschiedene Unfallszenarien:


Größer ist nicht gleich besser

Um dem Hund lange Reisen angenehm zu gestalten, werden oftmals sehr große Boxen gekauft, in denen sich der Hund gut bewegen kann. Dadurch hat er bei Ausweichmanövern oder im Ernstfall eines Unfalls aber auch einen größeren Beschleunigungsweg, wodurch sich ein erhöhtes Verletzungsrisiko ergibt.

Tiere sicher im Auto unterbringen

  • Fahrgastraum

Kleine Hunde oder auch Katzen sind in einer Transportbox im Fußraum hinter den Vordersitzen relativ sicher untergebracht. Die Rückenlehne vom Vordersitz verhindert, dass die Box bei einem Frontalanprall nach vorne geschleudert werden kann. Mitteltunnel und Seitentür sichern die Box weitestgehend gegen seitliches Verrutschen und die schräge Rücksitzlehne verhindert auch beim Überschlag das Schlimmste. Boxen auf der Rücksitzbank sind lediglich dann akzeptabel, wenn sie nicht aus Plastik gefertigt sind und durch die Gurtbefestigung sicher auf der Rücksitzbank gehalten werden können, ohne dabei zu zersplittern.

  • Kofferraum

Im Kofferraum sollte die Box grundsätzlich quer und direkt an der Rücksitzlehne platziert werden. So verteilt sich bei einem Frontalcrash das Gewicht besser auf die gesamte Breite der Rücksitzlehne und auch bei einem auf das Heck auffahrenden Fahrzeug ist der Hund weiter von dem Gefahrenbereich entfernt. Praktisch hat diese Faustregel jedoch ihre Tücken. Dies fängt bereits bei der Handhabung an. In eine große, quer stehende Box kann der Hund kaum einsteigen. Sie muss zunächst längs stehen. Nachdem der Hund eingestiegen ist, muss die schwere Box mit dem schweren Hund in Querposition geschoben werden und beim Aussteigen das Ganze noch einmal in umgekehrter Reihenfolge. Nahezu unmöglich, auf jeden Fall aber sehr unpraktisch. Der zweite Punkt ist die vermeintliche Sicherheit. Der Hund ist zwar bei der quer stehenden Box etwas weiter vom ersten Unfallgeschehen entfernt, dafür schiebt das auffahrende Fahrzeug nun die Seitenwände der Box zusammen, die dadurch lebensbedrohlich eng wird. Besser und praktischer sind Boxen, die längs im Kofferraum fixiert werden, sich beim Auffahrunfall kontrolliert zusammenschieben und dabei ihre Form behalten. Dabei können keine gesplitterten Boxenteile den Hund verletzen, der nach dem Unfall durch den Notausstieg an der Vorderseite evakuiert werden kann.

Sicher ist sicher

Nur die wenigsten Hundeboxen halten, was sie versprechen. Selbst Crashtest getestete Boxen haben lediglich einen Frontalcrashtest bestanden. Beim Kauf einer Hundebox sollte daher unbedingt darauf geachtet werden, dass diese SPCT (Safe Pet Crate Test) getestet sind. Nur beim SPCT werden die Boxen allen Crashtests, also auch Seitenaufprall, Heckaufprall und Überschlag, unterzogen.

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