Hund sorgt für Sperrung der Autobahn

Polizei zeigt sich menschlich, die Presse sensationsgeil

Hund sorgt für Sperrung der Autobahn

Ein entlaufener Hund machte eine Sperrung der Autobahn notwendig. Kosten für den Polizeieinsatz und Strafverfahren gegen Halter laut Presse.

Ein 52-jähriger Mann hielt auf dem Heimweg für eine kurze Rast an. Der Shar-Pei, den er gerade aus dem Tierheim Stade abgeholt hatte, nutzte die Gelegenheit, um aus dem Auto zu entwischen. Offensichtlich haben Autobahnen nicht nur auf Windhunde eine sehr anziehende Wirkung. Auch der Shar-Pei lief zielstrebig auf die Autobahn. Die Autofahrer mussten dem Hund ausweichen, was ihnen auch gelang, ohne dass es zu Sach- oder Personenschäden kam. Der Hundehalter versuchte nun, den Hund einzufangen. Als seine Versuche kläglich scheiterten, rief er die Polizei um Hilfe. Gemeinsam mit vier Polizeibeamten gelang es nach etwa einer Stunde und zeitweiliger Sperrung der Autobahn, den Hund auf eine angrenzende Wiese zu treiben und von dort aus einzufangen. Auf der Autobahn kam es in dieser Zeit zu Staus in beiden Fahrtrichtungen.

Satte Strafe für den Halter

Die Polizei prüft, ob gegen den Halter ein Ermittlungsverfahren wegen Verkehrsgefährdung eingeleitet wird. Außerdem prüfe man, ob er den Polizeieinsatz in Rechnung gestellt bekommt. Diese Information entnahmen wir zahlreichen Zeitungen und Magazinen. Zweifellos fand eine Verkehrsgefährdung statt und die Möglichkeit, Polizeieinsätze in Rechnung zu stellen besteht. Dennoch empfinden wir solche Vorgehensweisen als unmenschlich. Der Halter handelte fahrlässig, aber nicht grob fahrlässig, geschweige denn vorsätzlich. Durch den enormen Stress und die Aufregung dürfte er gestraft genug sein. Ihm noch ein Strafverfahren anzuhängen plus die Einsatzkosten, die sich auf ca. 300,00 bis 500,00 € belaufen, ist rechtlich gesehen vertretbar, menschlich gesehen ein No-Go.

Polizei zeigt sich menschlich

Wir wollten wissen, was an den Pressemeldungen dran ist, und fragten nach. Der Beamte, der uns weitere Informationen lieferte, verband Sachlichkeit und Menschlichkeit in einer ausgewogenen Balance, wie wir sie lieben. Bei solchen Fällen müsse sowohl der Straftatbestand der gefährlichen Verkehrsgefährdung als auch die Möglichkeit, der Rechnungsstellung geprüft werden. Eine Straftat lag jedoch nicht vor und die Ordnungswidrigkeit wurde auch sogleich wegen Geringfügigkeit eingestellt. Natürlich darf ein Hund nicht unkontrolliert aus dem Auto entwischen, doch kann dies jedem passieren und der Mann hat seine Lektion gelernt. So die Auffassung der Polizei. Die Frage, ob er die Kosten für den Einsatz zu zahlen hat, wird von der übergeordneten Dienststelle geklärt. Die Polizei Ratzeburg gibt aber auch hier die Empfehlung weiter, es bei einer Verwarnung zu belassen. Ein klärendes Gespräch, so der Polizeisprecher, in dem der Halter über den sicheren Transport von Hunden im Auto aufgeklärt wird, ist wesentlich konstruktiver, als eine Rechnung für den Polizeieinsatz.