Hören und verstehen

Verstehen und folgen ist keine Frage von Gehorsam

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Hören und verstehen

„Ein Hund muss verstehen, und nicht parieren“

Die ganzen „Der tut nix“ und „Der will nur spielen“ sind wohl nicht nur den Hundehaltern ein Dorn im Auge. Doch wie bringt man seinem Hund am besten Gehorsam bei? Wir befragten hierzu Hundetrainer Dieter Paul. Falsche Frage, wie wir erfahren mussten und die Antwort hat uns zunächst sehr überrascht. „Ich finde Hunde, die alles tun, was der Mensch will, zum Kotzen.“ Ein Hund muss verstehen, und nicht parieren. Aha! Seine Hunde dürfen also tun, was sie wollen? Wozu brauche ich da einen Hundetrainer? Das schaffen meine Hunde auch ohne Training. Nein, sie dürfen natürlich nicht machen, was sie wollen, war die Antwort und nun waren wir völlig verwirrt. Was denn nun? Wir ließen es uns erklären und mussten anschließend feststellen, dass es so einfach und einleuchtend ist, dass man auch selbst darauf hätte kommen müssen.

Mein Hund hört nicht

Diesen Spruch hört wohl jeder Hundetrainer unzählige Male, und da der klagende Hundehalter ein Kunde ist, stößt man ihm nicht vor den Kopf, sondern beginnt stattdessen mit dem Training. Doch damit wird schon der erste Denkanstoß unterbunden. Eigentlich müsste der Hundetrainer sagen: „Da sind Sie bei mir falsch. Da müssen Sie zum Tierarzt gehen, damit der den Grund für die Taubheit herausfindet.“ Wortklauberei? Nein, es ist ein kleiner, feiner Unterschied, der jedoch sehr wichtig ist, wie sich gleich noch herausstellen wird. Der Halter wird nun vielleicht sagen, dass der Hund schon hört, er ist ja nicht taub, aber er gehorcht nicht. Und genau das soll er auch nicht. Ein Hund soll nicht auf einen Befehl „gehorchen“. Kein Mensch, mit Ausnahme von Berufssoldaten „gehorcht“ auf Befehle. Jedenfalls nicht freiwillig. Warum sollte es „der beste Freund“ tun? Haben Sie schon einmal gelesen „Starten Sie den Download und gehorchen Sie den Befehlen“? Sicher nicht. Es heißt: „Starten Sie den Download und folgen Sie den Anweisungen“. Wenn wir dem Anbieter vertrauen, dann folgen wir den Anweisungen. Haben wir kein Vertrauen, weil wir vielleicht Viren befürchten, verlassen wir die Downloadseite. Gehorcht der Hund unseren Befehlen, so vertraut er uns nicht, sondern hat sich uns unterworfen. Er ist gebrochen und eine lebende Marionette.

Folgen oder gehorchen

Was von der Bedeutung her identisch erscheint, ist doch grundverschieden. Der Hund, der unseren Befehlen bedingungslos gehorcht ist vielleicht gut beherrschbar und kontrollierbar, doch ein interaktives Stofftier könnte es gewiss noch besser. Zumindest wird ein interaktives Stofftier nicht versuchen, sich eines Tages aus den Zwängen zu befreien. Der Hund dagegen, der unseren Anweisungen folgt, hat Vertrauen zu uns. Er wird auch Anweisungen folgen, deren Sinn er zunächst nicht versteht, weil er uns bedingungslos vertraut. Er geht eventuell bei der Anweisung „Fuß“ 1,5 cm zu weit vorne oder zu weit hinten, aber er geht nicht bei Fuß, weil er es muss, sondern weil sein Halter es möchte und er seinem Halter gefallen möchte. Das Wort „folgen“ besagt es schon. Der folgsame Hund folgt seinem Halter. Der gehorchende Hund geht seinem Halter auf Befehl hinterher.

Feinheiten in der Wortwahl und in der Bedeutung der Wörter gibt es noch einige mehr. Dass es sich dabei um keine Wortklauberei, sondern um den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses handelt, lesen Sie in unserer E-Paper-Ausgabe 3-2018.

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