Handicap wie weggebunden

Leben mit dem Handicap

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Handicap wie weggebunden

Handicap wie weggebunden Ein Handicap kann alters-, krankheitsbedingt sein, durch Unfall verursacht oder seit Geburt bestehen. Bandagen, Orthesen oder Prothesen helfen.

Handicap einfach wegbinden

Im Idealfall und rechtzeitig angewendet können gewisse Handicaps wie Fehlstellungen durch Bandagen und Orthesen tatsächlich dauerhaft behoben werden. Die Regel ist dies jedoch leider nicht. Dennoch sind Bandagen und Orthesen dazu geeignet, Schmerzen zu lindern, Einschränkungen zu verringern und Verschlechterungen zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Wie das funktioniert und was Sie beachten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Leben im Hier und JetztLeben im Hier und Jetzt

Die Anzahl der möglichen Beeinträchtigungen ist nahezu grenzenlos. Einige Hunde haben von Geburt an ein Handicap, andere erst später durch Unfall oder Krankheit. Während der Mensch mit seinem Schicksal hadert und ggf. wehmütig an die Zeit zurückdenkt, in der er sich noch uneingeschränkt bewegen konnte, ist dies beim Hund anders. Er erinnert sich nicht an die Zeit vor dem Unfall oder der Krankheit und empfindet sich selbst auch nicht als behindert. Auch andere Hunde schauen nicht verlegen weg, wenn ihnen ein Artgenosse auf drei Beinen entgegenkommt. Für sie kommt da kein Behinderter, sondern ein Hund.

Fluch und Segen

Fluch und Segen

Wie fast überall liegen auch hier Fluch und Segen eng beieinander. Durch die natürliche Einstellung ist die Behinderung für den Hund kein Weltuntergang und er lernt recht schnell, mit seiner Beeinträchtigung umzugehen. Das Problem liegt vielmehr in der stärkeren Belastung der gesunden Gliedmaßen. Fehlstellungen und erhöhter Verschleiß sind die Folge. Andere Hunde sind krankheitsbedingt in ihrer Bewegung eingeschränkt, wie beispielsweise durch Arthrose, HD oder ED. Auch für diese Hunde ist die körperliche Einschränkung weniger das Problem, als vielmehr die damit verbundenen Schmerzen. Der Hund nimmt daher eine Schonhaltung ein, wodurch auch bei ihm die gesunden Gliedmaßen stärker beansprucht werden und es zu Fehlstellungen kommen kann. Um dem entgegenzuwirken und die Schmerzen zu lindern, bekommt der Hund Schmerzmittel und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Sobald die Schmerzen nachlassen, hat der Hund seine Beeinträchtigung vergessen und bewegt sich wieder halbwegs normal. Dadurch werden aber die betroffenen Körperregionen überbeansprucht und das Krankheitsbild verschlechtert sich.

Bandagen, Orthesen und ProthesenBandagen, Orthesen und Prothesen

Bei HD erwies sich Weight Pull als hilfreich. Diese Hundesportart wird bei HD-Patienten nicht auf Wettkampfniveau, sondern als Muskelaufbautraining betrieben. Die auf diese Weise gestärkte Muskulatur unterstützt die Gelenke und bewirkt so Schmerzlinderung. Bandagen wirken ähnlich. Auch sie stützen die Gelenke und verhindern gleichzeitig eine Überbeanspruchung der betroffenen Gelenke. Mit Bandagen, Orthesen und Prothesen wird der Hund schmerzfrei in eine natürliche Haltung gezwungen und gleichzeitig eine Überbeanspruchung der gesunden Gliedmaßen verhindert. Bandagen gibt es im Heimtierfachhandel, Drogerien und orthopädischen Fachgeschäften. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, müssten die Bandagen, wie ein steifer Verband, fest angelegt werden. Hierzu werden in die Bandagen Kunststoffteile eingearbeitet, die den Bandagen die notwendige Festigkeit und Stützfunktion verleihen, und ungewollte Bewegungen bzw. Bewegungsrichtungen unterbinden. Da hierdurch die Blutzirkulation eingeschränkt werden kann, sind solche Bandagen nur mit ständiger Kontrolle anzuwenden. Für die uneingeschränkte Blutzirkulation ist es erforderlich, dass die Bandage perfekt anliegt und es zu keinen Druck- und Scheuerstellen kommt.

Bandagen, Orthesen und ProthesenStütze nach Maß

Die durch Kunststoffteile verstärkte Bandage ist eine der einfachsten Formen vor Orthesen und der Übergang von Bandagen zu Orthesen ist damit fast so fließend, wie der Übergang zu den Prothesen. So zählen Schuhe, die mit speziellen Einlagen fehlende Zehen oder gar die komplette Pfote ausgleichen, noch zu den Orthesen, erfüllen jedoch schon die Funktion einer Prothese. Die Vielfalt von Bandagen und Orthesen ist nahezu unendlich. Zu fast jeder Beeinträchtigung gibt es eine passende Bandagen- oder Orthesenlösung. Am günstigsten sind die konfektionierten Bandagen, die es im Orthopädiefachhandel, zumindest auf Bestellung gibt. Günstig ist hier in Anführungszeichen zu setzen, denn günstig sind Bandagen keineswegs. Die vorkonfektionierten Bandagen kann man mit einer Hose vergleichen. Man sucht sich eine Hose in der passenden Größe aus und der Gürtel sorgt dafür, dass sie im Bund halbwegs sitzt. Etwas zu lange Hosenbeine werden umgekrempelt. Die Hose passt vermeintlich. Auch die vorkonfektionierten Bandagen lassen sich mit Schnallen, Polstern u. Ä. anpassen. Was bei der Hose jedoch im schlimmsten Fall zu spöttischen Blicken führt, kann bei den Bandagen zu Druck- und Scheuerstellen und im schlimmsten Fall zur Verringerung der gewünschten Funktion führen.

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft

Jeder kennt diese Redewendung, doch wackeln oder Luft haben sollten Bandagen, Orthesen und Prothesen nicht. Da jedes Tier etwas anders gebaut ist, kann dies nur durch Maßanfertigung gewährleistet werden. Theoretisch zumindest, denn praktisch ließen Ungenauigkeiten beim Ausmessen und Fertigungstoleranzen bislang nur eine Annäherung an den perfekten Sitz zu. Dass dem heute nicht mehr so ist, verriet uns René Wettengel von der Firma Dilectus. Bereits in der Vergangenheit gab es Verfahren, um das Tier ziemlich genau zu vermessen und mit modernen Fertigungsmethoden für eine minimale Toleranz zu sorgen. Heute werde jedoch bei ihnen der Hund oder die Katze mit Lasertechnik ausgemessen und die Orthese oder Prothese dann im 3-D-Druckverfahren angefertigt, wodurch Fertigungstoleranzen ausgeschlossen werden und das Produkt anschließend absolut passgenau ist. Gerade bei jungen und aktiven Hunden sei dies von extremer Wichtigkeit, da diese auch nachts bei ungewöhnlichen Geräuschen aufspringen oder einfach nur einen nächtlichen Spielanfall bekommen. Diese Hunde müssen die Orthese oder Prothese 24 Stunden am Tag tragen, und wenn die dann nicht 100%ig passt, wäre dies äußerst fatal.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in unserer E-Paper-Ausgabe 2/2018

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  • Was die Tierkrankenkasse übernimmt
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