Geistige Unterforderung

Die geistige Unterforderung von Hunden

Geistige Unterforderung

Sie kommt häufiger vor, als man denkt, wird seltener erkannt, als man glaubt und ist gefährlicher, als zugegeben wird. Die Rede ist von der geistigen Unterforderung von Hunden. Tatsache ist, dass der Alltag der meisten Hunde aus fressen, schlafen, drei Gassirunden pro Tag drehen und ab und zu Bällchen- oder Stöckchenholen besteht. Im günstigsten Fall wird damit bei laufunfreudigen Hunden der Bewegungsdrang befriedigt. Eine geistige Beschäftigung wird dabei jedoch nicht einmal ansatzweise geschaffen, von einer geistigen Auslastung ganz zu schweigen. Hunde durchschnittlich intelligenter Hunderassen fügen sich in diesen Alltag ein und sind damit auch mehr oder weniger zufrieden. Sie kennen es ja nicht anders. Problematischer gestaltet es sich bei den überdurchschnittlich intelligenten Hunderassen, bei denen eine geistige Unterforderung zu Verhaltensstörungen führen kann, die sich wiederum in aggressivem Verhalten äußern können. Ein Verhalten, welches in der Regel dem Hund zugeordnet wird, obwohl es lediglich das Resultat einer falschen Haltung ist.
Die allseits so beliebten Beißstatistiken werden nicht selten von den Rassen
Deutscher Schäferhund
Labrador
Golden Retriever
und Jack Russel Terrier
angeführt. Dabei entflammt regelmäßig auch die Diskussion, warum diese offensichtlich gefährlichen Rassen nicht ebenfalls auf die Rasseliste gesetzt werden. Die Antwort ist schnell gegeben: Weil dies genauso unsinnig wäre, wie die Rasseliste an sich.
Der Deutsche Schäferhund: Er ist nach wie vor eine der am häufigsten bei der Polizei und dem Zoll zu findenden Hunderassen. Auch als Herdenschutzhunde und als Rettungshunde sind zahlreiche Hunde dieser Rasse im Einsatz. Wieso nutzen all diese Personen einen so gefährlichen Hund und wieso zeigen diese Hunde in der Regel keinerlei Aggressionen? Gleiches gilt für Labrador und Golden Retriever. Sie werden beispielsweise als Blindenhunde, als Rettungshunde oder Behindertenbegleithunde eingesetzt. Wieso lässt man so gefährliche Hunde auf hilflose Personen los und wieso zeigen auch diese Hunde kein Aggressionspotenzial? Bei allen drei Rassen handelt es sich um überdurchschnittlich intelligente und arbeitswillige Hunderassen, die auch als ideale Familienhunde bekannt sind. Solange diese Hunde ihre Aufgaben und geistige Beschäftigung haben, zeigen sie sich als freundliche Hunde mit gutmütigem bis neutralem Wesen. Dass dies bei Polizei-, Rettungs-, Blindenführ- und Behindertenbegleithunden der Fall ist, dürfte außer Frage stehen.
Unterschätzt wird aufgrund seiner Größe der Jack Russel Terrier. Kaum jemand weiß, dass auch diese relativ kleinen Hunde ausgesprochen intelligent sind und ihre geistige Beschäftigung brauchen. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass diese Rasse verhältnismäßig oft in den Beißstatistiken auftaucht.
Nur diese vier Beispiele belegen wieder einmal, dass eine Rasseliste absolut unsinnig ist und jeglicher Grundlage entbehrt. Wenn überhaupt eine Liste Sinn ergeben würde, so eine Liste besonders gefährlich unwissender Hundeführer.