Fuchsbandwurm

Gefährlich ist nicht der Fuchsbandwurm, sondern der Jäger

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Fuchsbandwurm

Vom Fuchsbandwurm sind nicht nur Füchse, sondern auch Hunde befallen. Die Gefahr geht jedoch weniger vom Fuchsbandwurm, als viel mehr vom Jäger aus.

Fuchsbandwurm
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Falsche Namensgebung

Die wissenschaftliche Bezeichnung Echinococcus multilocularis kann wohl kaum einer aussprechen und noch weniger wird man sich diesen Namen merken können. So erhielt der Parasit den Namen Fuchsbandwurm, obwohl dies nicht so ganz richtig ist. So wie Füchse, können sich auch Katzen und Hunde mit dem sogenannten Fuchsbandwurm infizieren, wenn sie eine befallene Maus fressen. Man könnte diesen Parasiten also genauso gut auch Katzenbandwurm oder Hundebandwurm nennen, wobei Mäusebandwurm wohl die treffendste Bezeichnung wäre, da bei der Maus alles beginnt. Doch Jäger wollen Füchse und keine Mäuse jagen.

Eier vom Fuchsbandwurm in Fuchskot

Die Eier vom Fuchsbandwurm befinden sich auch im Kot der Füchse, wodurch sich ein zweiter Übertragungsweg eröffnet. Wälzt sich ein Hund im Fuchskot, so gelangen auch die Eier des Fuchsbandwurms in das Fell des Hundes und durch Lecken schließlich in den Darm des Hundes. Die Jagdverbände warnen eindringlich vor der Gefahr, die von dem Fuchsbandwurm ausgeht, und bejagen zu dessen Eindämmung intensiv Füchse.

Märchen aus 1001 Wald

Fuchsbandwurm
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Der Fuchsbandwurm kann beim Menschen eine Parasitenerkrankung auslösen, die als alveoläre Echinokokkose bezeichnet wird und unbehandelt meist tödlich verläuft. Die Jagdverbände warnen eindringlich vor dieser, sich in Mitteleuropa ausbreitenden Krankheit. Um die Gefahr einzudämmen, werden in Deutschland pro Jahr etwa 500.000 Füchse auf meist grausame Art und Weise getötet. Verschwiegen werden von den Jagdverbänden dagegen ein paar „unwesentliche“ Details.

Märchen aus 1001 Wald – Gesundheitsrisiko

Die alveoläre Echinokokkose breitet sich in Mitteleuropa wahrhaftig weiter aus. Dennoch ist diese Krankheit nach wie vor die seltenste Parasitenerkrankung. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Jagdunfalls zu werden, ist deutlich größer, als die Wahrscheinlichkeit, an alveoläre Echinokokkose zu erkranken.

Märchen aus 1001 Wald – Fuchsbestand und Fuchsbandwurm reduzieren

Fuchsbandwurm
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Um den Fuchsbandwurm einzudämmen, wird eine groß angelegte Jagd auf den Fuchs betrieben. Weniger Füchse bedeuten auch weniger Fuchsbandwürmer. Logisch. Die Jäger freut es und die Bevölkerung glaubt es. Verschwiegen wird dagegen eine vierjährige Studie aus Frankreich. Hier wurde in einem Testgebiet die Fuchsjagd intensiviert und die Anzahl der erlegten Füchse um 35 % gesteigert. Der Fuchsbestand jedoch blieb konstant. Der Grund: Füchse kompensieren den Verlust durch die Jagd mit erhöhten Geburten- und Zuwanderungsraten.

For your Eyes only

Fuchsbandwurm
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Was natürlich niemand erfahren darf, ist, dass Jungfüchse anfälliger für Fuchsbandwürmer sind und auch mehr Eier dieser Parasiten ausscheiden, als ältere Füchse. So blieb in dem besagten Testgebiet nicht nur die Population trotz intensiver Bejagung konstant, nein, als Nebeneffekt stieg auch noch die Befallsrate um 15 % an, während sie in einem Vergleichsgebiet konstant blieb. Die Fuchsjagd ist somit nicht nur unnötige Tierquälerei, sondern obendrein noch kontraproduktiv. Sie erhöht die Gefahr, die von dem Fuchsbandwurm ausgeht, statt sie einzudämmen und durch die intensivierte Jagd erhöht sich zusätzlich noch das Risiko von Jagdunfällen.

Wirksame Maßnahmen gegen den Fuchsbandwurm

Bleibt die Frage, ob die Eindämmung des Fuchsbandwurms unmöglich ist. Hierzu gibt es ebenfalls eine vierjährige Studie der TU München, die belegt, dass eine Eindämmung möglich ist. Im Landkreis Starnberg wurde durch Entwurmungsköder die Befallsrate von 51 % auf 0,8 % gesenkt. Ganz ohne Tierquälerei und ohne Jagdunfälle. Entwurmungsköder auszulegen macht natürlich weniger Spaß, dafür Arbeit und ist obendrein mit Kosten verbunden. Verständlich, dass dies nicht im Interesse der Jagdverbände liegt. Vergessen wir also alles Gelesene, nehmen unseren Hund an die Leine, ziehen die schusssichere Weste an und gehen Gassi. Waidmanns heil!

Quellen:

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http://www.e-l-i-z.com/doc_word/ECHINO/COMTE-2017-publi-Em_Nancy-prevetmed.pdf

Technische Universität München – Arbeitsgruppe Wildbiologie und Wildtiermanagement am Lehrstuhl für Tierernährung: Forschungsprojekt “Entwurmungsaktion“ im Landkreis Starnberg: Abrufbar unter:

http://wildbio.wzw.tum.de/index.php?id=58

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