Erhöhte „Kampfhundesteuer“ in Konstanz

Die guten Gründe widersprechen sich

Erhöhte „Kampfhundesteuer“ in Konstanz

Konstanz will nun auch eine erhöhte Kampfhundesteuer einführen. Die Gründe erscheinen zunächst plausibel, doch sie widersprechen sich.

Sie sind gefährlich und beißen schneller, öfter und fester zu, als andere Hunderassen. So argumentieren die meisten Gemeinden, wenn sie eine erhöhte Hundesteuer für Listenhunde festlegen. Damit kommen die Gemeinden meistens durch, denn den Gegenbeweis anzutreten erweist sich oftmals als schwierig. Mit der Beißstatistik von Sachsen-Anhalt ist es noch relativ einfach. Wie in den meisten Bundesländern, steht in Hessen der Deutsche Schäferhund auf Platz eins der Beißstatistik. Mit 284 Beißvorfällen gegen Menschen und 281 Beißvorfällen gegen Tiere läuft er dem Pitbull Terrier (11/34) und dem Bullterrier (2/4) ganz klar den Rang ab. Das Ministerium begründet dies damit, dass der Schäferhund auch von der Population die Spitzenposition einnimmt. Das ist korrekt. Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Auch hier muss man die Beißvorfälle in Relation zur Population sehen, sonst macht die Statistik keinen Sinn. Wie sieht es denn nun mit dem Verhältnis zur Population aus? Die Frankfurter Rundschau schreibt hierzu: „Das Verhältnis der Population zur Zahl der Vorfälle ist unbekannt.“ Na, wenn das keine fundierte Basis ist.

Was sagen die Statistiken generell?

In Deutschland kommen gut drei Personen pro Jahr durch Hundebisse ums Leben. 16 Menschen pro Jahr sterben in Deutschland nach Bienen-, Wespen-, oder Hornissenstichen. 20 Menschen kommen pro Jahr durch Reitunfälle bzw. durch Unfälle mit von Tieren gezogenen Fahrzeugen ums Leben. Dennoch wurde die geplante Pferdesteuer in AtomkraftwerkSchleswig Holstein gerade erst gekippt. Von einer „Kampfpferdesteuer“ wollen wir gar nicht erst reden. Was würde wohl demnächst der Honig kosten, wenn aufgrund dieser Statistik eine „Bienensteuer eingeführt werden würde, oder sollen wir gar von einer „Killerbienensteuer“ sprechen? Kernkraftwerke blasen jede Menge Wasserdampf in die Luft. Dadurch erhöht sich letztlich das Gewitterrisiko. Acht Menschen werden pro Jahr von einem Blitz getötet. Das sind zweieinhalb Mal so viele, wie durch einen Hundebiss. „Gewittersteuer“ für AKWs?

Konstanz begründet „Kampfhundesteuer“ plausibler

Die Gemeinde Konstanz begründet ihre Entscheidung jedoch nicht auf der widerlegbaren Gefahr, die von Hunden gewisser Rassen ausgehen, sondern vielmehr mit einem sich abzeichnenden Modetrend. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der gelisteten Hunde von zehn auf 25 angestiegen und der Aufwärtstrend ist ungebrochen. Bei der Anschaffung eines Hundes sollte stets die Rasse gewählt werden, die zu den individuellen Gegebenheiten am besten passt. Hierbei einem Modetrend zu folgen ist wahrhaftig zu verurteilen. Das Anliegen der Stadt Konstanz, diesem Modetrend entgegenzuwirken, ist somit zu begrüßen. Abzulehnen hingegen ist der Weg der Symptombehandlung statt der Ursachenbekämpfung.

Die Begründung hinkt

Mit der Einführung der Rasselisten bildeten sich Gruppen von Gegnern der Rasseliste. Mit jedem Ausbau und jeder Verschärfung der Hundeverordnungen kamen neue Anti-Rasselisten-Vereine hinzu. Die Zahl ihrer Anhänger wächst und gleichzeitig wächst auch der Wunsch vieler Hundehalter, dazuzugehören. Mit der Anschaffung eines Listenhundes gehört nun der „Außenseiter“ auch zu der großen Gemeinschaft der Listenhundehalter. Diesem Modetrend kann man entweder begegnen, indem man die Rasseliste und die erhöhte Hundesteuer abschafft, oder Dackelman kann ihn durch weitere Hundesteuererhöhungen und Ausbau der Rasseliste fördern. Wenn es Konstanz also darum geht, einem Modetrend entgegenzuwirken, sollte sich die Stadt für die Abschaffung der Rasseliste starkmachen, statt auf die geplante Art und Weise dem Trend neues Futter zu geben. Doch geht es wirklich um den Modetrend? In den 70er Jahren war der Dackel groß in Mode. Von einer erhöhten Dackelsteuer ist uns jedoch nichts bekannt. Ebenso wenig von einer erhöhten Golden-Retriever-Steuer in den letzten Jahrzehnten, in denen der Golden Retriever zum Modehund mutierte. Auch in Konstanz scheint somit die Hundesteuererhöhung reine Profitgier zu sein, ohne damit irgendetwas anderes erreichen zu wollen.