Erhöhte Hundesteuer illegal?

Hundesteuer – Reine Abzocke?

Die öffentlichen Kassen sind leer, und nachdem der Autofahrer schon über die Schmerzgrenze hinaus ausgesaugt wurde, sollen nun die Hundehalter zur Kasse gebeten werden. Für Listenhunde gehen einige Gemeinden mit 1.500 Euro bis 2.000 Euro sogar bis in den Bereich des Illegalen. In diesen Fällen entschieden die Gerichte, dass es sich um Steuersätze handele, die einem Haltungsverbot gleichkämen und gegen den Einnahmegrundsatz verstoßen würden. Dabei entschieden die Gerichte, dass Hundesteuersätze „nur“ bis max. 1.000 Euro zu rechtfertigen seien. Die Realität sieht jedoch etwas anders aus, denn es lassen sich nicht alle Menschen in eine Paragrafen-Norm packen. Für viele Halter von Listenhunden, insbesondere dann, wenn sie zwei oder mehr Listenhunde besitzen, kommen schon weitaus niedrigere Steuersätze einem Haltungsverbot gleich, was laut Aussage der Richter rechtswidrig ist. Da die meisten Gemeinden auch sozial schwächeren Personen keinerlei Ermäßigung bewilligen, klagen viele Tierheime über eine vermehrte Abgabe und erschwerte Vermittlung von Listenhunden. Aber auch nicht gelistete Hunde werden aufgrund der stetig steigenden Hundesteuer in einigen Teilen Deutschlands vermehrt abgegeben. Als Gegenargument wird gebracht, dass die Haltung eines Hundes etwa 800 bis 1.000 Euro im Jahr kostet und die Hundesteuer somit kein Kriterium für die Abschaffung sein könne. Dog Aktuell wollte es genau wissen und fragte bei diversen Tierheimen nach. Fast alle bestätigten, dass die Vermittlung von Listenhunden in Regionen, in denen eine erhöhte Hundesteuer verlangt wird, erschwert oder sogar unmöglich sei. So bestätigte uns beispielsweise das Tierheim Hochtaunuskreis, dass Listenhunde nur von Personen adoptiert werden, die in Gemeinden ohne, oder mit sehr moderat erhöhter Hundesteuer leben.

Hundesteuer – Reine Abzocke?

Nach diesen Erkenntnissen drängt sich die Frage auf, ob die Hundesteuer ein reines Instrument der Abzocke ist und im Sinne des Tierschutzes abgeschafft werden sollte. Wir sprachen darüber mit Karsten Plücker vom Bund gegen den Missbrauch von Tieren. Er erklärte, dass die Hundesteuer nicht pauschal verurteilt werden könne, da sie, wenn sie richtig eingesetzt wird, ein wertvolles Regelinstrument im Sinne des Tierschutzes sein könne. Natürlich dürfe eine willkürliche Steuer für Listenhunde nicht die Haltung und Vermittlung verhindern. Eine moderate Steuer, die für sozial schwache Personen reduziert wird, dagegen kann dem Tierschutz durchaus dienlich sein. So erreichte er durch sein Verhandlungsgeschick, dass Hunde, die aus dem Tierheim stammen, in Kassel zwei Jahre von der Hundesteuer befreit sind. Dies führte nicht nur dazu, dass sich mehr Hundefreunde für einen Hund aus dem Tierheim entscheiden, sondern durch die erhöhte Anmeldebereitschaft auch zu Hundesteuer-Mehreinnahmen der Gemeinde. Gerade für ältere Hunde, die normalerweise nur schwer zu vermitteln sind, stellt die Hundesteuer einen Segen dar. Hunde aus dem Tierheim, die acht Jahre oder mehr auf dem Buckel haben, sind in Kassel lebenslang von der Hundesteuer befreit. So haben auch graue Schnauzen eine gute Aussicht, ihren Lebensabend in einer eigenen Familie zu verbringen. In den Teilen Ungarns, in denen eine Hundesteuer für unkastrierte Hunde eingeführt wurde, ist ein Rückgang der in den Tierheimen abgegebenen Welpen um 50% zu verzeichnen. Zu kritisieren sei lediglich, dass die Hundesteuer in Deutschland zur Finanzierung des maroden Haushalts verwendet wird, anstatt hiervon bedürftigen Personen einen Assistenzhund zu finanzieren.