Ein Tier zu Weihnachten

Alle Jahre wieder

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit das gleiche Theater. Eigentlich beginnt der alljährliche Wahnsinn ja bereits Ende Oktober/Anfang November. Die erste Schneeflocke ist gefallen und bei den Reifenhändlern ist die Hölle los. Es konnte ja auch keiner Ahnen, dass es auch in diesem Jahr wieder einen Winter geben wird. Im Anschluss beginnt dann schon der Weihnachtsrummel. Statt jedoch rechtzeitig alles zu besorgen, wird auf den Weihnachtsmärkten genascht, Glühwein getrunken und dummes Zeug geredet. Am 23. Dezember verkündet schließlich der Nachrichtensprecher, dass morgen Heilig Abend sei. Das hätte er ja auch mal etwas früher sagen können. Wer soll das ahnen! Panikstürme am 24.12. in den Einkaufszentren und Massenschlägereien an den Kassen. Jeder hat es schließlich eilig.

Der Hund auf dem Wunschzettel

Als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, jetzt steht auch noch ein Hund ganz oben auf dem Wunschzettel. Natürlich wird jedes Jahr gepredigt, dass Hunde keine Weihnachtsgeschenke seien und dass nach Weihnachten die ganzen Geschenke im Tierheim landen. Blabla! Wer von den Schlaumeiern hat sich mal in die Situation der Eltern versetzt? Der Hund ist der größte Wunsch, und wenn es keinen gibt, dann gibt es Tränen. Tränen kann man aber gerade an Weihnachten überhaupt nicht gebrauchen und wer sagt denn, dass sich das eigene Kind nicht verantwortungsvoll um den Hund kümmern wird? Das sind gemeine Unterstellungen und genau die Tierschützer, die diese Unterstellungen verbreiten, reagieren selber auf Unterstellungen absolut allergisch. Der Fall ist geklärt: Der Hund kommt bei und basta. So gibt es an Weihnachten keine Tränen und das Kind hat ja geschworen, sich immer um den Hund zu kümmern.

Der Hund ist da und alles ist gut

Es steht außer Frage, dass es viele Weihnachtshunde gibt, die ein langes und erfülltes Leben bei ihrer Familie genießen dürfen. Die meisten Hunde erleben jedoch den normalen Alltag nicht mehr. Spätestens, wenn im Schuhschrank nur noch zerbissene Schuhe zu finden sind, die Wolldecke die Löcher in der Couch verdecken muss und der Teppichboden zum vierten Mal als Hundeklo verwendet wurde, ist Schluss mit lustig und die letzte Fahrt führt zum Tierheim. Weihnachten war gerettet, der Teppich, die Couch und die Schuhe leider nicht, also gilt es Schadensbegrenzung zu betreiben und den Hund wegbringen. Wenn der Hund nun leidet, ist das nicht die eigene Schuld. Erstens sollen sich die Tierpfleger im Tierheim etwas mehr Mühe geben, damit der Hund nicht leiden muss und außerdem hat er sich das ja auch selber zuzuschreiben. Was muss er auch alles kaputtmachen.

Der Wahnsinn geht weiter

Einige Hunde schaffen es auch, etwas länger bei ihrer Familie zu bleiben. Aber selbst bei ihnen wird nach einem halben Jahr nicht nur das ewige Gassigehen lästig. Jetzt kommt auch noch der Urlaub. Klar ist ein Urlaub auch mit Hund möglich, aber er erfordert mehr Planung, mehr Kosten und ständig muss man sich bei Besichtigungen oder Aktivitäten Gedanken machen, wie und wo man den Vierbeiner am besten parkt. Der nächste Run auf die Tierheime beginnt. Zum Glück steht zum nächsten Weihnachtsfest kein Hund mehr auf dem Wunschzettel. Diesmal ist es ein Kätzchen. Der Wahnsinn geht weiter!

Lösungen statt Ermahnungen

Man muss nicht Albert Einstein sein, um sich auszurechnen, dass die Ermahnungen auch in diesem Jahr wieder im luftleeren Raum verhallen werden. Die Argumente der Eltern und die Angst vor einem verkorksten Weihnachtsfest werden auch dieses Jahr wieder schwerer wiegen, als alle erhobenen Zeigefinger. Keinem Elternpaar ist mit den immer wiederkehrenden Belehrungen und Ermahnungen gedient. Sie brauchen Lösungen und die sehen sie einzig und allein darin, dem Wunsch nachzugeben und zu hoffen, dass es gut gehen wird.

Ein Hund ist ein Familienhund

Der Hund zu Weihnachten wird natürlich der Hund des beschenkten Kindes sein, doch er wird auch ein Teil der Familie werden. Die Verantwortung liegt bis zur Volljährigkeit des Kindes bei den Eltern. Auch wenn dies, je nach Alter des Kindes, noch lange dauert; der Hund kann auch dieses Geburtstagsfest durchaus noch erleben. Der Satz „es ist Dein Hund, das geht uns nichts an“ wäre genauso falsch, wie der Spruch „es ist Dein Leben, geht uns nichts an“, wenn das Kind nicht in die Schule gehen will. Der Hund muss von allen gewollt sein, denn es wird ein Familienhund werden. Ist es nur das Kind, was sich einen Hund wünscht, sind die Tränen an Weihnachten das kleiner Übel. Sie sind nichts, im Vergleich zu den Tränen, die alle Familienmitglieder in den folgenden Wochen und Monaten vergießen werden. Wenn es mit dem Hund an Weihnachten nicht gut geht, so ist nicht das Kind schuld, sondern die ganze Familie. In erster Linie die Eltern. Sie haben nicht nur unverantwortlich gehandelt; sie haben jämmerlich versagt!

Möglicher Ausweg

Es ist also nicht die Frage, ob das Kind auf Dauer bereit und in der Lage ist, sich um den Hund zu kümmern, sondern die ganze Familie. Wer sich wirklich ausführlich mit dem Gedanken Hund beschäftigt hat und zu dem Ergebnis kommt, dass ein Hund eine Bereicherung wäre, sollte sich und die ganze Familie erst einmal testen. Eine Möglichkeit wäre eine Pflegestelle. Ständig suchen die Tierschutzvereine nach neuen Pflegestellen. Hier bietet sich die Chance, einen Hund aufzunehmen und das Leben mit Hund kennenzulernen. Ist man schließlich froh, wenn der Hund vermittelt wurde, hat es mit dem eigen Hund keinen Zweck. Tut es dagegen weh, so kann man sich den Wunsch nach einem eigenen Hund mit ruhigem Gewissen erfüllen. Ist der Gedanke unerträglich, den Hund wieder hergeben zu müssen, dann hat man eben als Pflegestelle versagt und behält den Hund ganz einfach.

Warum also müssen Hunde jedes Jahr in Tierheime abgeschoben werden und dort leiden, nur weil der Mensch sein Hirn nicht mehr nutzen möchte?

© Arnold Graf von Braunfels