Die Wahl der politisch korrekten Hunderasse

Eine Satire von Arnold Graf von Braunfels

Rasseliste und politische Meinungsverschiedenheiten. Ein Hundehalter hat es bei der Wahl der Hunderasse nicht leicht.

Ich war auf der Suche nach einem Deutschen Schäferhund und hatte auch schon einen gefunden. Beim Gespräch mit dem Züchter erfuhr ich aber, mehr zufällig, dass es kein reiner Deutscher Schäferhund war. Der Hund war vielmehr russischer Abstammung. Der Züchter hatte sich nämlich verplappert und zugegeben, dass der Hund rote Papiere hat. Nicht dass ich etwas gegen Russen hätte, aber bei uns im Ort gibt es einen American Bulldog, einen American Dobermann, einen American Pitbull und einen American Staffordshire Terrier. Wir alle wissen, was passiert, wenn Russki und Amerikanski aufeinandertreffen. Aus diesem Grund bin ich von dem Deutschen Schäferhund ganz abgekommen. Der Grund liegt im Nachbarort, wo es einen Züchter Kaukasischer Owtscharka gibt. Als guter Deutscher Schäferhund wird er sich natürlich auf die Seite der Amerikanski schlagen, und wenn die den Deutschen Schäferhund auffordern, den Russkis in den Fressnapf zu spucken, dann wird er es tun. Dass dies den Russkis nicht gefallen wird, ist klar, und sie werden knurren. Die Amerikanskis werden diese Drohgebärden damit quittieren, meinen Deutschen Schäferhund anzuweisen, die Russkis anzugreifen. Ein guter Deutscher Schäferhund denkt nicht, er tut, was die Amerikanskis sagen. Dass die 100 Kaukasischen Owtscharka in der Überzahl sind, kann mein Deutscher Schäferhund nicht wissen. Er kann ja nicht zählen, und wenn doch, dann maximal bis drei. Liegt er dann blutüberströmt am Boden, so werden die Amerikanskis als Friedensstifter kommen, und ihm den Todesstoß versetzen. Nein, ich brauche in Zeiten wie heute einen Hund einer neutralen Hunderasse. Ich werde mir einen Berner Sennenhund aussuchen