Der schuldbewusste Hund hat Angst

Was der schuldbewusste Blick wirklich bedeutet

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Der schuldbewusste Hund hat Angst

Wenn Blicke täuschen

Hunde sind wie kleine Kinder. Diesen Spruch kennt wohl jeder Hundehalter und in den meisten Punkten trifft das auch zu. Mimiken des Hundes jedoch mit denen des Menschen zu vergleichen und entsprechend zu interpretieren, ist oftmals falsch. Der schuldbewusste Blick ist so eine Täuschung.

Der schuldbewusste Blick bedeutet Angst

Viele werden bei dieser Überschrift mit der Antwort „So ein Blödsinn“ reagieren. Im ersten Moment eine verständliche Reaktion, wenn man sich den Ablauf einmal grob betrachtet. Der Hund hat die Couch während der Zeit, in der er alleine war, in ihre Einzelteile zerlegt. Man muss nicht lange überlegen, wer für diese eigenwillige Art der Hausdurchsuchung verantwortlich ist. Man geht auf direktem Weg auf seinen Hund zu, und noch ehe man dazu kommt, den Vierbeiner für dieses Chaos in den Stiefel zu stellen, trifft einen der vermeintlich schuldbewusste Blick. Warum also sollte der Hund Angst haben? Man hat doch mit der Standpauke zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen. Diese Überlegung lässt nur einen Schluss zu: Der Hund weiß ganz genau, dass er die Couch zerlegt hat und er weiß auch ganz genau, dass er das nicht darf. Nun fühlt er sich ertappt und guckt einen schuldbewusst an. Doch dem ist nicht so, denn diese Überlegung hat einen kleinen Fehler.

Klickertraining hat seinen Grund

Schon lange prügeln wir die Kommandos nicht mehr in unsere Hunde ein, sondern arbeiten mit positiver Verstärkung. Im Klartext bedeutet dies, dass wir den Hund für gewünschtes Verhalten mit einem Leckerli belohnen. Diese Art der Erziehung hat nur seine Tücken. Es ist nahezu unmöglich, den Hund exakt in dem Moment mit einem Leckerli zu belohnen, in dem er das gewünschte Verhalten zeigt. Also sagen wir: „Fein gemacht! Komm her, jetzt bekommst Du dafür ein Leckerli“. Netter Versuch, doch ziemlich wirkungslos. In dem Moment, indem er das Leckerli bekommt, hat er die Aktion, für die er belohnt wird, schon wieder vergessen. Das Leckerli müsste also zeitgleich kommen, was schlicht weg unmöglich ist. Stattdessen bringen wir dem Hund bei, dass ein Klick mit dem Klicker, Leckerli bedeutet. So kann der Hund zeitgleich mit einem Klick belohnt werden, auf den bekanntlich das Leckerli folgt. Ohne den Klicker könnte die Belohnung mit dem Leckerli frühestens nach ein bis zwei Sekunden erfolgen und der Hund könnte das Leckerli schon nicht mehr mit seiner Aktion in Verbindung bringen. Die Couch dagegen hat er bereits vor einigen Minuten oder gar Stunden zerlegt, aber hier soll er den Zusammenhang noch wissen?

Woher kommt der schuldbewusste Blick?

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der vermeintlich schuldbewusste Blick mit Schuldbewusstsein nichts zu tun hat, sondern schlicht und ergreifend Angst ausdrückt. Doch weshalb sollte der Hund Angst haben, wenn man doch bis dato den Hund noch gar nicht zurechtgewiesen hat? Spulen wir das Band noch einmal zurück. Wir kommen nach Hause und sehen die zerstörte Couch. Unsere erste Reaktion ist in etwa: „Was zum Teufel ist das?!“ Der Hund hat uns schon kommen gehört und freut sich, dass Herrchen/Frauchen wieder da ist. Doch statt einer freudigen Begrüßung ist Herrchen/Frauchen aggressiv und geht mit entsprechender Mimik auf den Hund zu. Zwischen der Untersuchung des Couchinnenlebens und der Heimkehr sind weit mehr als nur zwei Sekunden vergangen und der Hund versteht die aggressive Haltung seines Herrchens/Frauchens überhaupt nicht. Was ist los? Er weiß es nicht und das macht ihm Angst. Dann noch die blöde Frage „Was ist das?!“ – Na was wohl? Eine Couch, die schon immer da stand. Vielleicht wird nun klar, warum der Hund Angst hat und der vermeintlich schuldbewusste Blick tatsächlich nichts mit Schuldbewusstsein zu tun hat, ja gar nicht zu tun haben kann.