Chico biss zwei Menschen tot

Nun wurde Chico eingeschläfert

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Chico biss zwei Menschen tot

Ursprünglich sollte Chico kurzfristig eingeschläfert werden. Hiervon wurde zunächst Abstand genommen. Nun musste er doch eingeschläfert werden.

Sein Fall ging durch alle Medien. Chico hatte in Hannover seine Halter, eine 52-jährige, körperbehinderte Frau und dessen 27-jährigen Sohn durch schwere Bissverletzungen getötet, was auch die Obduktion der Toten einwandfrei belegte. Offiziell schienen die Ermittlungen damit abgeschlossen, da es keine Anhaltspunkte auf andere Hunde oder Fremdeinwirkung gab. Dennoch wurde die in so einem Fall obligatorische Euthanasie aufgehoben. Eine Vermittlung des Hundes wäre jedoch nur nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft möglich gewesen. Ein Indiz dafür, dass die Ermittlungsarbeiten doch noch nicht abgeschlossen waren. Zu viele Ungereimtheiten gab es in dem Fall, als dass ein Abschluss des Falles zu rechtfertigen wäre. Allen voran die Frage, weshalb niemand in dem Haus Schmerzensschreie oder Hilferufe wahrgenommen hat.

Chico noch in der Narkose eingeschläfert

Chico wurde in der Tierärztlichen Hochschule Hannover unter Narkose eingehend untersucht. Möglicherweise sollte diese Untersuchung Hinweise bringen, wie es zu dem Angriff kommen konnte. Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass beide Eckzähne des Oberkiefers locker, bzw. herausgebrochen waren. Diese recht frischen Verletzungen, die von der Attacke auf seine Halter stammen könnten, sowie die offenen Verbindungen zur Nasenhöhle, die ebenfalls beidseitig bestehen, würden weitere Behandlungen und Nachbehandlungen erfordern. Da diese aus Sicherheitsgründen nur unter Vollnarkose durchzuführen sind und Chico auf unbestimmte Zeit völlig isoliert leben müsste, entschied man, Chico noch in der Narkose einzuschläfern. Hierzu wurden diverse Sachverständige hinzugezogen, ehe die Euthanasie durchgeführt wurde. Auch der Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten, Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth, sagte: Vor diesem Hintergrund und bei der Gesamtbetrachtung aller Umstände halten auch wir die Euthanasie des Hundes für geboten“

Beweismittel vernichtet

Viele Fragen sind in dem Fall offen und mit der Euthanasie von Chico wurde ein wichtiges Beweismittel vernichtet. Für die Suche nach der Wahrheit sicherlich ein Schlag ins Gesicht, doch muss man an dieser Stelle ganz klar dem Tierschutz den Vorrang geben. Bei den Untersuchungen, bei denen auch ein CT gemacht wurde, konnte bislang noch keine Aussage gemacht werden, wodurch der Hund diesen plötzlichen Ausraster bekam. Die Auswertungen dauern noch an, ein Hirntumor als mögliche Ursache scheidet zumindest aus. Somit wären die weiteren Behandlungen, die unter Vollnarkose durchgeführt werden müssten, sowie die isolierte Haltung in einem Sicherheitstrakt auf unbestimmte Zeit, aus Gründen des Tierschutzes nicht vertretbar.

Mehr Fragen, als Antworten

Chico biss die 52-jährige Frau und dessen Sohn, sodass beide an dem hohen Blutverlust verstarben. Das sind die erwiesenen Fakten in dem Fall aus Hannover. Alles andere ist weiterhin unklar. Bis heute liegt der Staatsanwaltschaft nur ein mündlicher Vorabbericht der Obduktion vor. Ob starke Schmerz- und oder Betäubungsmittel, Drogen oder sonstige Dinge wie Fesseln und Knebel die Opfer am Schreien hinderten, oder ob die Schreie von den Mitbewohnern ignoriert wurden, dass es in der Wohnung öfters mal zu Krawall gekommen war, ist derzeit reine Spekulation. Etwas mehr Licht ins Dunkel wird erst der endgültige Obduktionsbericht ergeben. Selbst der genaue Todeszeitpunkt der beiden Opfer steht bis dato noch nicht fest. Sollte Chico aufgrund einer bis jetzt noch nicht ausgemachten Krankheit oder durch ein unbekanntes Kommando seine Opfer angegriffen haben, so wäre eine Wiederholung jederzeit möglich. Somit war die Euthanasie nicht nur unter den oben genannten tierschutzrelevanten Aspekten, sondern auch aus Gründen der allgemeinen Sicherheit geboten.

Fragen für immer offen?

Bleiben unsere Fragen nun für immer unbeantwortet? Sind die Ermittlungsarbeiten mit der Euthanasie abgeschlossen? Zumindest die Frage nach den fehlenden Blutspuren im Fell könnte der endgültige Obduktionsbericht klären. Sollten zwischen dem Vorfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte mehrere Stunden vergangen sein, so hat sich der Hund in dieser Zeit selbst reinigen können. Doch wie geht es nun weiter bzw. geht es überhaupt weiter? Wir fragten erneut bei der Staatsanwaltschaft Hannover an. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge versicherte uns, dass die Ermittlungsarbeiten keineswegs abgeschlossen seien. Der Tod des Hundes hätte keinerlei Einfluss auf die weiteren Ermittlungsarbeiten. Wir haben jede Menge offene Fragen und diese Fragen stellt sich auch die Staatsanwaltschaft. Eine Schlüsselfunktion bei all diesen Fragen haben jedoch auch der genaue Todeszeitpunkt und das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung. Ehe der endgültige Obduktionsbericht nicht vorliegt, kann nur wild spekuliert werden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Stadt Hannover

Ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt läuft derzeit auf vollen Touren. Es wird geprüft, wer bei der Stadt Hannover sich in welcher Form durch Unterlassung der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat. Bekräftigt wurde das Ermittlungsverfahren durch das Eingeständnis der Stadt Hannover, Versäumnisse begangen zu haben. Wir hielten jedoch dagegen, dass der Tierschutzverein zweimal bei der Familie war und keine Beanstandungen hatte. Somit hätte sich auch die Stadt Hannover nichts vorzuwerfen. „Wir werden die Sachverhalte objektiv und absolut unvoreingenommen prüfen“, versicherte uns der Oberstaatsanwalt. Auch werde geprüft, ob die Attacke beispielsweise durch Krankheit oder Schmerzen unvorhersehbar war. Die Staatsanwaltschaft wird auf jeden Fall alles dafür tun, um Licht ins Dunkel zu bringen, um so die offenen Fragen beantworten zu können.

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