Buchvorstellung „Nicht streicheln – Ich arbeite“

44 wahre Führhundegeschichten

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Buchvorstellung „Nicht streicheln – ich arbeite“

Buchvorstellung

Die Autorin Tanja Kohl betreibt mit ihrem Mann eine Blindenführhundschule und hat bereits mehrere Bücher, u. a. zum Thema Hund bzw. Blindenführhund geschrieben. Seit ihrem zweiten Buch wählt sie den Vertrieb über den Selbstverlag, um der großen Einflussnahme der Verlage zu entgehen und mehr Freiheiten in der Gestaltung zu haben. Diese Freiheit hat ihren Preis. Das knapp 160 Seiten umfassende Buch, welches wir Ihnen in dieser Buchvorstellung präsentieren, ist mit 16,90 € nicht gerade billig.

Das Buch

Das Buch dieser Buchvorstellung beinhaltet 44 wahre Führhundegeschichten, wie sie sich tatsächlich einmal zugetragen haben und von der Autorin selbst miterlebt wurden. Lediglich die Namen der Personen und der Hunde wurden aus rechtlichen Gründen abgeändert. Der Text ist im Blocksatz gehalten, was zwar sehr aufgeräumt aussieht, stellenweise die Wörter jedoch so weit auseinanderzieht, dass sie verloren wirken. Ein klassischer, linksbündiger Text hätte uns besser gefallen, was aber reine Geschmackssache ist.

Die Geschichten

Die Geschichten zeigen die Arbeit von Blindenführhunden, ansatzweise deren Ausbildung, rassetypische Eigenschaften und Eigenheiten, aber auch wie unterschiedlich verschiedene Vertreter der gleichen Rasse sein können. All dies ist in wahren Geschichten verpackt, die mal lustig, mal traurig oder einfach unglaublich sind. Zwischendurch gibt es immer mal eine Geschichte, welche die Autorin sehr beeindruckt und geprägt hat und die deshalb für sie auch sehr wichtig ist. Für den Leser dagegen ist sie weder lustig oder spannend noch sonderlich spektakulär. Nachdem man die vorangegangenen Geschichten in einem Rutsch durchgelesen und Lust auf immer mehr hat, animieren diese Geschichten dann doch dazu, das Buch einmal zur Seite zu legen und sich eine Lesepause zu gönnen. Schade – weniger wäre hier mehr.

Kleine Schönheitsfehler

Dass ein künftiger Blindenführhund im Alter von etwa 12 Monaten einen Gesundheitscheck durchlaufen muss, wird sicherlich nicht jedem Leser bekannt sein, und erst recht nicht, was dabei alles untersucht wird. Es ist daher durchaus sinnvoll, dies in einer Geschichte näher zu beschreiben. Gleiches gilt für die Emotionen, das Hoffen und Bangen, dass alles gut verläuft. In den folgenden Geschichten ist eine Wiederholung für den Leser überflüssig und könnte mit einem Satz wie: „Wir waren sehr erleichtert, als auch die Gesundheitsuntersuchung keinen Befund ergab“ abgekürzt werden.

Die eingangs erwähnten Freiheiten beinhalten auch die Freiheit, auf ein professionelles Lektorat verzichten zu können. Im Großen und Ganzen kann sich die Autorin das auch leisten. Die Geschichten sind durchgängig fast fehlerfrei, was bei nicht lektorierten Büchern äußerst selten ist. Dennoch hat sich an einigen Stellen der Fehlerteufel eingeschlichen und bringt den sonst sehr flüssigen Lesefluss kurzzeitig ins Stocken. Dies kommt recht selten vor und man würde bei einem Buch im unteren Preislevel sicherlich darüber hinwegsehen. Dass die Autorin von dem relativ hohen Preis bei einem Selbstverlag nicht viel bekommt, interessiert den Leser nicht. Bei 16,90 € für ein Taschenbuch erwartet der Leser ein absolut fehlerfreies Werk.

Vertrauen oder nicht vertrauen

Sehr deutlich wird auch das besondere Vertrauensverhältnis, das sich entwickeln kann, wenn Hund und Mensch miteinander arbeiten und sich der sehbehinderte Halter jederzeit zu 100 % auf seinen Hund verlassen muss und kann. Dieses Vertrauensverhältnis muss aber nicht zwangsweise entstehen. Zumindest dann nicht, wenn sich der sehbehinderte Mensch nicht auf seinen Blindenführhund einstellen oder verlassen will. Auch dies wird in einigen Geschichten sehr schön verdeutlicht. Obgleich es in diesen Geschichten um Blindenführhunde geht, kann man dennoch gut Parallelen zum eigenen Hund ziehen. Warum vertraut einem der eigene Hund in gewissen Situationen nicht so, wie man es sich wünscht? Warum kann man sich in manchen Situationen nicht 100%ig auf seinen Hund verlassen? Oft sind es wirklich nur vermeintlich unwesentliche Kleinigkeiten, die dies verursachen, auf die man aber in diesen Geschichten auf unterhaltsame Weise aufmerksam wird.

Fazit

Ein sehr unterhaltsames Buch, aus dem sich jeder Hundehalter auch noch etwas für sein Zusammenleben mit dem eigenen Hund herausziehen kann. Dabei lernt der Leser noch eine Menge über die Arbeit und die Ausbildung der Blindenführhunde und wird fortan einem Blindenführhundegespann sicherlich mit ganz anderen Augen begegnen. Die minimalen Schönheitsfehler trüben den Lesespaß nur unwesentlich. Für ein vollständig in schwarz/weiß gehaltenes Taschenbuch mit knapp 160 Seiten liegt der Preis von 16,90 € leider sehr hart an der Schmerzgrenze.

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