Beißstatistik 2013 – Wer beißt wirklich ?

Unter der Lupe: Beißstatistik von Sachsen-Anhalt 2013

Statistiken sind immer wieder ein beliebtes Mittel, um Argumenten Nachdruck zu verleihen, doch was sagen uns die nackten Zahlen wirklich? Allein schon die Abgrenzung, wann von einem Beißvorfall zu sprechen ist, gestaltet sich schwierig. Wird der Führer eines Schutzhundes angegriffen, so hat der Hund seinen Hundeführer zu verteidigen. In diesem Fall müsste von Pflichterfüllung und nicht von Beißvorfall gesprochen werden. Leider gilt dies meist nur für die typischen Schutzhunderassen, während bei einem Listenhund die Pflichterfüllung darin besteht, dem Angreifer Pfötchen zu geben oder noch besser sich in Luft aufzulösen. Keinesfalls darf er jedoch sein Herrchen oder Frauchen verteidigen, will er nicht auf die Liste kommen. Bezüglich dieser Differenzierung gibt es selbstverständlich keine Statistiken, und so müssen wir uns mit den Statistiken begnügen, die zur Verfügung stehen.

Was sagen uns die absoluten Zahlen?

In absoluten Zahlen ausgedrückt, haben Hunde 2013 in Sachsen-Anhalt insgesamt 140 Mal zugebissen. Dabei wurden 94 Mal Menschen, 41 Mal andere Hunde und fünf Mal andere Tiere gebissen.
Anführer der Liste ist der Deutsche Schäferhund mit 28 Beißvorfällen, wobei der Deutsche Schäferhund kurzhaarig mit drei Beißvorfällen und der Deutsche Schäferhund langhaarig mit einem Beißvorfall separat gelistet wurden, gefolgt vom American Staffordshire Terrier mit zehn Beißvorfällen, Jack Russel Terrier und Rottweiler mit jeweils sechs Beißvorfällen, Labrador-Retriever und Deutscher Boxer, die jeweils fünf Mal zubissen und dem Rhodesian Ridgeback, der vier Mal seine Zähne einsetzte.
Nüchtern betrachtet, sagen diese absoluten Zahlen jedoch herzlich wenig, denn um Vergleiche anstellen zu können, muss die Anzahl der Vorfälle in Relation zur Population gesetzt werden, und da es glücklicherweise des Deutschen liebster Hund ist, der die Beißstatistik in absoluten Zahlen anführt, gibt es auch eine solche, relative Statistik.

Beißvorfälle in relativen Zahlen

Gemessen an der Zahl der registrierten Hunde führen nun der Kaukasische Ovtcharka und der Irish Setter die Liste an. Jeweils 2,6 Prozent der registrierten Hunde haben nach dieser Statistik zugebissen. Die American Staffordshire Terrier wurden mit 1,6 Prozent angegeben, eine Nachrechnung ergibt bei uns jedoch einen Wert von 1,46%. Doch welchen Wert man auch als Maßstab nimmt, sie scheinen jawohl bedeutend harmloser, als die Spitzenreiter, die nicht auf der Rasseliste stehen. Der Deutsche Schäferhund steht in dieser Statistik mit 0,74% auf Rang 10.
Betrachten wir die Statistik mal weiter und beleuchten dabei einmal besonders die Rassen, die als gefährlich gelistet sind.

Listenhunde unter der Lupe
Da wäre zunächst einmal der Staffordshire-Bullterrier, von denen in Sachsen-Anhalt 221 registriert sind. Er griff 2013 einmal einen Menschen, einmal einen anderen Hund und einmal ein anderes Tier an, wobei die Statistik keinerlei Auskunft darüber liefert, ob es sich bei dem anderen Tier um beispielsweise ein Reh, oder vielleicht nur eine Stubenfliege handelte. Auch gibt jeweils ein einziger Vorfall keine besondere Aussagekraft darüber, ob es an dem Hund selbst, falscher Haltung oder am Selbstverschulden der Beteiligten gelegen haben könnte. Auch kann bei dieser Anzahl an Vorfällen nicht ausgeschlossen werden, dass sich Hunde anderer Rassen nicht in gleicher Weise verhalten hätten. Mit drei absoluten Vorfällen kommt er auf 1,36% relativ gesehen.
Sehr gefährlich scheint vielen Menschen auch der als gefährlich eingestufte Bullterrier zu sein. Mit sage und schreibe einem Beißvorfall und einem relativen Wert von 0,56% kommt er jedoch nicht annähernd an den Gefährlichkeitsgrad eines Deutsch Kurzhaar (2 Vorfälle absolut, 1,12% relativ) oder gar eines Chihuahua heran, der mit 2 Vorfällen absolut und 2,25% relativ gesehen viermal gefährlicher ist, als ein Bullterrier.
Nicht vergessen wollen wir den Pitbull-Terrier. Obwohl der Pitbull-Terrier keine von der FCI anerkannte Rasse ist, steht er in Deutschland dennoch immer wieder auf der Rasseliste. Da es allerdings zum Erlass von Gesetzen nicht notwendig ist, dass der Gesetzgeber auch gleichzeitig weiß, worum es geht, können wir diesen Punkt an dieser Stelle vergessen. Pit steht für Kampfarena und somit erklärt schon sein Name, wie brandgefährlich diese Rasse ist. Offensichtlich sind Pitbull Terrier aber nicht nur gefährlich, sondern auch listig, denn sie haben es verstanden mit insgesamt 0, in Worten null, Vorfällen die Statistik zu bereichern.

Fazit:
Ein Hund ist kein Auto, über das ein allgemeingültiger Testbericht zu schreiben ist. Ob ein Hund gefährlich ist oder nicht, kann nur individuell an seinem Verhalten ausfindig gemacht werden. Hundekenner sehen sofort, ob ein Hund freundlich ist und wirklich nur schmusen oder spielen will, oder ob er mit Vorsicht zu genießen ist. Mit Hunden unerfahrene Personen sollten Hunden grundsätzlich mit Vorsicht und Respekt begegnen. Denn so wie es keine gefährliche Rasse gibt, so gibt es auch keine durchweg friedliche Rasse. Sicher kann nur gesagt werden, dass das nachweislich gefährlichste Tier der Mensch ist.

Nachsatz
Dies ist lediglich eine von vielen Statistiken. In anderen Statistiken werden Deutscher Schäferhund, Golden Retriever und Labrador an den Spitzenplätzen zu finden sein. Wir möchten dringend darauf hinweisen, dass auch diese Statistiken mit Vorsicht zu genießen sind. Alle drei genannte Rassen stellen in der Regel freundliche und absolut zuverlässige Familienhunde dar. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz benötigen diese Rassen jedoch neben ausreichend Auslauf auch geistige Auslastung. Ist diese nicht gegeben, neigen auch diese Hunde zu aggressivem Verhalten, was nicht der Rasse, sondern der falschen Haltung zuzuschreiben ist. Auch ein XYZ muss kein schlechtes Auto sein, nur weil der Motor nach 500 Km ohne Öl seinen Dienst versagt.

Quelle für die Beißstatistik von Sachsen-Anhalt 2013: http://www.lvwa.sachsen-anhalt.de/bau-ordnung-kommunales/hoheitsangelegenheiten-gefahrenabwehr-auslaenderangelegenheiten/hundegesetz/auszug-aus-dem-hundezentralregister/