Arschlochhund

Ein Buch, bei dem sich Kritiker austoben können

Was steckt hinter dem Buch Arschlochhund, um das in den sozialen Netzwerken so ein Wirbel gemacht wird? Wir stellen das Buch vor.

Das Beste ist der Klappentext

Der Titel mag so manchen etwas erschrecken, doch die Beschreibung des Buches lässt erahnen, warum es als Bestsellerkandidat gehandelt wird. Es soll bei Amazon sogar Harry Potter auf Platz zwei verbannt haben. Die Betonung liegt auf „soll“. Spritzig und humorvoll sollen Szenen aus dem Alltag eines Hundehalters in kurzen und amüsanten Geschichten erzählt werden. Genau die richtige Lektüre für Hundefreunde. Das dachten wir zumindest, doch denken ist bekanntlich Glückssache und hier scheint uns das Glück wohl verlassen zu haben. Ursprünglich sollte dieses Buch in unserer E-Paper-Ausgabe vorgestellt werden. Bei dieser Vorstellung sollte es im Anschluss wieder ein Exemplar zu gewinnen geben. Davon nahmen wir aber ganz schnell wieder Abstand.

Die ersten Seiten

Nach den ersten Absätzen drängt sich fast zwangsläufig die Frage auf, ob man es wirklich mit einem Buch oder dem Aufsatz einer 12-Jährigen zu tun hat. Natürlich hat dies nicht unbedingt etwas zu bedeuten, denn sehr viele Bücher beginnen nicht besonders vielversprechend und entwickeln sich im weiteren Verlauf zu echten Knallern. In diesem Fall ist es allerdings weniger ein langatmiger Inhalt, wie er auf den ersten Seiten häufig anzutreffen ist, sondern mehr der doch sehr gewöhnungsbedürftige Schreibstil. Kurze Sätze sind in Ordnung. Sie sorgen für eine leichte Verständlichkeit und lassen so manch eine Pointe mit der Würze des trockenen, britischen Humors herüberkommen. Eine Ansammlung von Sätzen, die nur aus einem bis vier Wörtern bestehen, wirken dagegen recht abgehackt. Die Unsitte, ständig irgendwelche Anmerkungen in Klammern, Gedankenstrichen oder einem wirren Durcheinander aus beidem einzufügen, die um ein Vielfaches länger sind, als der eigentliche Satz, vermiesen einem dann endgültig die Freude am Lesen.

Und das ist toll?

Wir fragten uns, was die Leute an diesem Werk so atemberaubend finden und sahen uns die Rezensionen bei Amazon an. Dabei fiel zunächst einmal auf, dass es noch ein anderes Arschloch-Buch gibt, nämlich Arschlochpferd. Dieses Buch wurde entgegen der ersten Vermutung von einer anderen Autorin verfasst. Die Bewertungen zu Arschlochhund verwunderten uns. Etwa 27 % negative Bewertungen ist zwar viel, doch hätte man bei diesem Buch eine höhere Negativquote erwartet.

Kopieren, was das Zeug hält

Dieser Kommentar und noch diverse andere Kundenrezensionen verrieten, dass wohl nicht nur der Titel kopiert war. Bereits ein kurzer Blick auf den Blog von Arschlochpferd zeigte, dass die Autorin von Arschlochhund, Antje Hachmann, noch weit mehr kopiert hatte. Angefangen vom Namen „Todesstern“ des Arschlochhundes 2, der deckungsgleich mit dem Namen eines „Arschlochpferdes“ ist, wurde auch noch der Stil kopiert. Auch bei Arschlochpferd wird sich viel der Umgangssprache bedient und gewisse Ergänzungen in Klammern gesetzt. Bei Arschlochpferd wurde diese Praktik jedoch um einiges sparsamer angewendet, wodurch es sich flüssiger und entspannter liest. Kopieren will eben gelernt sein. Der Grundsatz „viel hilft viel“ passt nun mal nicht immer. Zumindest etwas Einfallsreichtum bewies die Autorin mit ihrer Art, eine Comic-Denkblase in einen Text einzubinden. So kann man an einer Stelle lesen: „Mein Hirn fragt sich: ?“ Man kann zwar nicht unbedingt behaupten, dass die Autorin die deutsche Sprache vergewaltigt, aber sie ist nicht weit davon entfernt.

Gute Idee, schlechte Umsetzung

Nachdem man sich etwas an den katastrophalen Stil gewöhnt hat, wird man feststellen, dass die Geschichten doch recht lustig und amüsant sind. Die herzhaften Lacher bleiben aber dennoch aus, da die Pointen weniger als lustig, sondern vielmehr als Entschädigung dafür angesehen werden, was einem die Autorin bis dahin zugemutet hat. Schade. Besonders witzig sind die ersten zwei Sätze, in denen es heißt: „Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar.“ Der wohl beste Joke in diesem Buch.

Arschlochhund gratis lesen

Wer bei dieser Kritik seine Zweifel hat, oder einfach nur neugierig ist, der kann sich von dem Buch selbst überzeugen. Dazu ist es noch nicht einmal erforderlich, sich Arschlochhund für 9,99 € zu kaufen, denn sämtliche Geschichten aus diesem Buch können auch kostenlos auf der Facebook-Seite von Arschlochhund gelesen werden. Das Buch selbst stellt lediglich eine Zusammenstellung der auf Facebook bereits geposteten Geschichten dar, was die Käufer des Buches nicht unbedingt zu Jubelausrufen veranlasste.

Fazit

Wir müssen zugeben, dass wir zwar ein komplettes Rezensionsexemplar erhalten haben, es aber nicht über den von Amazon gewährten Blick ins Buch gelesen haben. Möglicherweise wird es im weiteren Verlauf ja besser. Man soll über nichts urteilen, was man nicht abschließend begutachtet hat. Diese Buchvorstellung stellt daher nur einen Eindruck und keine endgültige Beurteilung dar. Dazu hätten wir das Buch bis zum bitteren Ende lesen müssen. Die vielen Fehler in Grammatik, Satzstellung und Zeichensetzung verraten, dass scheinbar selbst der Lektor nicht bereit war, sich mit dieser Katastrophe auseinanderzusetzen. Wir sind zwar hart im Nehmen, doch was zu weit geht, geht zu weit. Wir bitten um Entschuldigung.