Abschaffung der Rasseliste oder neue Mogelpackung in Thüringen?

Abschaffung der Rasseliste oder neue Mogelpackung in Thüringen?

Quasi in letzter Sekunde vor der Bundestagswahl 2017 soll es in Thüringen zur Abschaffung der Rasseliste kommen. Realität oder Mogelpackung zur Wahl?

Sie war praktisch und hatte sich lange Zeit bewährt. Gemeint ist die Rasseliste. Per Gesetz wurden gewisse Hunderassen als gefährlich erklärt und den Haltern strenge Auflagen auferlegt. Die Bevölkerung wog sich in falscher Sicherheit und man konnte sich nun, ohne weitere Diskussionen führen zu müssen, dem Arbeitsessen widmen. Halter, die sich dennoch Hunde dieser Rassen zulegten, mutierten zu den Dukaten scheißenden Goldeseln der Gemeinden und Kommunen. Alle schienen glücklich und zufrieden zu sein. In der Geschichte konnte sich allerdings bis heute keine Form des Rassismus auf Dauer halten und so wurden auch die kritischen Stimmen zur Rasseliste immer lauter. Niedersachsen machte den Anfang und Schleswig Holstein folgte. Diese beiden Bundesländer schafften die Rasseliste bereits ab. Die erhöhte Hundesteuer wurde zwar zunächst beibehalten, doch sorgte die ungezügelte Raffgier auch hier für ein Ende. Zumindest in Schleswig Holstein. Nun bröckelt die Rasseliste auch in Thüringen.

Aus für die Rasseliste?

Auch innerhalb der befürwortenden Parteien Thüringens gab es Uneinigkeit und so wurde der neue Gesetzentwurf zum Tiergefahrengesetz erneut diskutiert. Dabei erfolgte eine Anhörung von Experten und der Bevölkerung. Tatsächlich einigte man sich drei Tage vor der Bundestagswahl 2017 darauf, die umstrittene Rasseliste aus dem Gesetzentwurf zu streichen. SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen plädieren dafür, „die Gefährlichkeit eines Hundes an dessen Verhalten festzumachen“. Damit folgten sie in etwa dem Modell Schleswig Holsteins. Damit ist die Abschaffung der Rasseliste in Thüringen sozusagen beschlossene Sache und wurde in der Listenhundeszene bereits gebührend gefeiert.

Wo ist der Haken?

Zweifelsohne ist dieser Beschluss ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen die Rasseliste. Dennoch sollten die Worte von Politikern, insbesondere dann, wenn sie vernünftig klingen und kurz vor der Wahl abgegeben werden, mit gesunder Skepsis zur Kenntnis genommen werden. Bei genauer Betrachtung steckt auch hier der Teufel im Detail. Zwar wurde die Abschaffung der Rasseliste beschlossen, die konkrete Umsetzung steht dagegen noch aus. Im Klartext bedeutet es, ob es in Zukunft, wie es von der CDU favorisiert wird, eine Pflicht zum Sachkundenachweis nur für Halter auffällig gewordener Hunde oder für alle Halter geben wird, soll erst in den nächsten Wochen, also nach der Bundestagswahl, geklärt und anschließend in einem neuen Entwurf zur Beratung vorgelegt werden. Die Frage, ob es nach der Abschaffung der Rasseliste einen Grund zum Feiern gibt, oder ob danach faktisch alle Hunderassen als gefährlich gelten, wird somit erst nach der Wahl beantwortet werden.